Ausstellung "Noch mal leben vor dem Tod"

Bericht aus dem Fränkischen Tag
Als Jannik vier Jahre alt ist, entdecken die Ärzte in seinem Gehirn einen seltenen Tumor. Heilungschancen gibt es nicht. Vier Wochen später wird bei seiner Mutter Brustkrebs diagnostiziert. Doch die will sich von ihrem Schicksal nicht unterkriegen lassen. Schon um Janniks kleinen Bruder Niklas willen zeigt sie eiserne Disziplin.
Mit sechseinhalb Jahren stirbt Jannik. In der Nacht nach seiner Beerdigung schläft seine Mutter erstmals seit Monaten wieder gut. Plötzlich spürt sie wieder den Mut zum Weiterleben. Doch trotz aller zurückgewonnenen Vitalität überlebt sie ihren älteren Sohn nur um 25 Tage.
"Das ist ja so schrecklich", flüstert eine Studentin der Caritas-Fachakademie einer Kommilitonin zu, als sie die beiden Bilder von Jannik betrachten und den Text dazu lesen. Das linke Bild zeigt den kleinen Jungen am Tag vor seinem Tod, das rechte kurz danach.
Walter Schels und Beate Lakotta haben für die preisgekrönte Ausstellung "Noch mal leben vor dem Tod", die noch bis kommenden Montag in der Villa Dessauer zu sehen ist, 26 Menschen portraitiert, die dem Tod nahe waren. Die wussten, dass sie bald Abschied nehmen müssen. Es sind Menschen aller AItersgruppen, Kinder, Menschen im Berufsleben, Rentner. Jeder mit seiner eigenen Geschichte. Viele, die noch eine Menge vorhatten im Leben. Einige, die dem Tod unerschrocken ins Auge blicken können. Auch solche, die es anscheinend gar nicht mehr erwarten können.
Bilder erzählen die Geschichte
Die angehenden Erzieherinnen sind beeindruckt von der Ausstellung: "Ich hätte nicht gedacht, dass man allein aus den Gesichtern so viel lesen kann", meint die 19-jährige Andrea. Sie hat zuerst die Bilder angesehen, dann die Texte gelesen und nochmal die Fotos betrachtet. "Ich habe versucht, anhand der Bilder auf die Geschichte des Menschen zu schließen. Und oft stand genau das auch im Text."
"Es steckt unglaublich viel Schönheit in den Gesichtern", findet Annika. "Die Bilder sind bewegend, aber nicht erschreckend."
Hospizhelferin Alexandra Eyrich, die die Studentinnen durch die Ausstellung führte, will ihnen einen unverkrampfteren Umgang mit dem Thema Tod vermitteln, der ihnen im späteren Beruf helfen könnte: "Eltern sind oft dagegen, dass man mit ihren Kindern über den Tod spricht, weil sie unangenehme Fragen stellen könnten. Aber spätestens wenn es in der Familie einen Unglücksfall gibt, kann man es nicht mehr verdrängen. "
Auch den Lehrer Horst Engelhardt hat "Nochmal leben vor dem Tod" ganz nachdenklich gemacht: "Ich ertappe mich jetzt auch bei der Frage: Was will ich in meinem Leben eigentlich noch alles machen?" Eine Studentin bringt es am Ende der Diskussion auf den Punkt: "In den letzten Tagen hatte ich viel Stress mit Prüfungen und allem Möglichen. Aber jetzt, wo ich diese Ausstellung gesehen hab', ist mir das auf einmal so egal!"