„Beschreiben Sie bitte diesen Rosenstrauß!“

Kultursensible Kommunikation für pädagogische Fachkräfte

Kultur ist dabei nicht nur von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent unterschiedlich, sondern in jedem Land selbst gibt es unterschiedliche Kulturen, die durch Tradition, Religion, Sprache und insbesondere auch sozioökonomische Faktoren bestimmt werden. Um den pädagogischen Alltag kultursensibel zu gestalten, braucht es eine Haltung, die kulturelle Unterschiede akzeptiert und ihnen mit Offenheit und Wertschätzung begegnet.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns an zwei Seminartagen im Berufspraktikum intensiv mit dem Thema ‚kultursensible Kommunikation‘ beschäftigt. Ziel des Trainings war, pädagogischen Fachkräften und angehenden Erzieher*innen Impulse zu geben, wie man professionell mit Herausforderungen der kulturellen Diversität umgeht, diese fundiert einzuschätzen lernt und eine praxisorientierte Handlungskompetenz entwickelt.
Im Mittelpunkt der beiden Seminartage stand das Lernen durch Erleben. Übungen mit eher spielerischem Charakter, die die Möglichkeit der Selbsterfahrung boten, theoretische Impulse für das berufliche Handeln in den Einrichtungen sowie der Einbezug von Erfahrungswissen durch die Bearbeitung von konkreten Situationen aus der Praxis.
In der Rosen-Übung konnten wir erleben, wie unterschiedlich Menschen mit der Aufforderung des Trainers umgingen, einen vermeintlichen Rosenstrauß in der Mitte des Stuhlkreises zu beschreiben. Vermeintlich deshalb, weil in der Mitte des Raumes lediglich eine Vase mit vertrockneten Ästen stand. Die Gruppen standen so im Dilemma, ob sie den ‚Fehler‘ des Trainers eher höflich und rücksichtsvoll kommunizieren oder ehrlich und direkt sagen, dass diese Aufgabe keinen Sinn macht. In der Reflexion des Erlebten konnten wir hinter unseren Lösungsstrategien klar die beiden Ansätze ‚Individualismus versus Kommunitarismus‘ erkennen. Die Rosenübung kann ein Spiegelbild für unseren Alltag sein, wo wir oft gewohnheitsmäßig aus einer einseitigen Perspektive kommunizieren und dabei übersehen, dass es neben dem Sachaspekt auch noch den Beziehungsaspekt zu berücksichtigen gilt.
Eine große Bereicherung war die Bandbreite der Praxiserfahrungen in der Gruppe, die während der beiden Tage eingebracht wurden; denn außer 16 Berufspraktikant*innen der Caritas-Fachakademie nahmen noch weitere externe Erzieher*innen aus Bamberg an der Veranstaltung teil.
Es waren zwei äußerst intensive Tage, wir haben miteinander um ‚Wahrheiten‘ gerungen, uns immer wieder selbst in unserer eigenen kulturellen Prägung erkannt, Ideen für die Praxis entwickelt und sind uns der Bedeutung von kultursensibler Kommunikation in der pädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien bewusst geworden. Danke an Dr. Jona Jäger vom Institut für kulturbewusste Kommunikation (KUBEKOM), der uns das Thema mit seiner dynamischen, wertschätzenden und kompetenten Arbeitsweise nähergebracht und als Trainer begeistert hat.
Die Veranstaltung wurde von der Raps-Stiftung sowie von der ‚Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Bamberg‘ im Rahmen des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!‘ (BMFSFJ) gefördert.
‚Man kann nicht nicht kommunizieren.‘ (Paul Watzlawick)
(von Dr. Ulrike Roppelt)





