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„Die Kunst, einen Kürbis zu teilen“ - Demokratie (er)leben mit Betzavta

„Die Kunst, einen Kürbis zu teilen“ - Demokratie (er)leben mit Betzavta
Datum:
Veröffentlicht: 22.7.22
Von:
Ulrike Roppelt
Demokratie als Lebensform bedeutet, dass bereits Kinder und Jugendliche ihr unmittelbares Umfeld gestalten, sich engagieren und ihre Interessen auf allen Ebenen vertreten. Dazu gehören Formen konstruktiver Aushandlung von Entscheidungsprozessen, Rituale der Mitbestimmung, eine Beschwerdekultur und angemessene Formen der Konfliktlösung.
„Die Kunst, einen Kürbis zu teilen“ - Demokratie (er)leben mit Betzavta

Denn nur im alltäglichen Miteinander, in einer konstruktiven Verhandlungs- und Konfliktlösungskultur können wir eine tragfähige Basis für unser Zusammenleben schaffen und der wachsenden Intoleranz und Spaltung in unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen. Damit bereits Kinder in ihrer Demokratiekompetenz wachsen, brauchen sie Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen, die sie auf diesem Weg begleiten und stärken.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns an zwei Seminartagen im Berufspraktikum intensiv mit dem Ansatz von Betzavta (hebräisch=miteinander) beschäftigt, der Vielfalt, Unterschiede und Entscheidungsfindung in Gruppen in den Fokus nimmt. Betzavta wurde 1986 vom Jerusalemer ADAM-Institut für Demokratie und Frieden in Israel entwickelt und verfolgt das Ziel, demokratische Prinzipien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene erlebbar zu machen.

Im Mittelpunkt der Seminartage standen Übungen mit eher spielerischem Charakter, die die Möglichkeit der Selbsterfahrung boten, Impulse für das berufliche Handeln in den Einrichtungen gaben und Verhaltens- und Einstellungsänderungen anregten.

In der Kürbis-Übung konnten wir Arten der Entscheidungsfindung auf ihre demokratische Tauglichkeit prüfen. Ist es demokratisch, den Kürbis einfach nach der Anzahl der Interessierten zu teilen? Ist es gerecht, wenn jede/r das Gleiche bekommt? Auf diese Art werden häufig Entscheidungen getroffen, die auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, demokratisch gefällt zu sein. Allerdings sind sie für die Beteiligten oft unbefriedigend, da sie nicht deren wirklichen Bedürfnissen gerecht werden. Denn: Vielleicht möchte der eine lieber die Kürbiskerne für sein Beet und der andere das Kürbisfleisch für seine Suppe verwenden? Die Kürbisübung kann ein Spiegelbild für unseren Alltag sein, wo wir gewohnheitsmäßig oft auf eine schnelle und vermeintlich gerechte Entscheidung drängen und dabei übersehen, dass viele der Bedürfnisse der an der Entscheidung Beteiligten gar nicht berücksichtigt sind.

Eine große Bereicherung war die Diversität unserer Gruppe, denn außer 17 Berufspraktikant/innen der Caritas-Fachakademie nahmen noch sechs externe Erzieher/innen an der Veranstaltung teil.

Es waren zwei äußerst intensive Tage, wir haben miteinander um „Wahrheiten“ gerungen, haben theaterreife Rollenspiele erlebt, Ideen für die Praxis entwickelt und sind an unseren Haltungen gewachsen, was Demokratie für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bedeuten kann. Danke an die beiden Betzavta-Trainerinnen Sabine Sommer und Rabia Küçükşahin, die uns an den beiden Tagen begleitet haben.

Die Veranstaltung wurde von der Raps-Stiftung sowie von der „Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Bamberg“ im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch das Bundesfamilienministerium gefördert.

„Demokratie lebt vom Streit, von der Diskussion um den richtigen Weg. Deshalb gehört zu ihr der Respekt vor der Meinung des anderen.“ (Richard von Weizsäcker)

„Die Kunst, einen Kürbis zu teilen“ - Demokratie (er)leben mit Betzavta
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