Zum Inhalt springen

Die Natur mit allen Sinnen be-greif-bar machen

PML Umweltpäd1213 11
Datum:
Veröffentlicht: 23.6.13
Von:
Martina Schnepf

Natur- und Umweltprojekt im Fach Praxis- und Methodenlehre

Für Kinder und Jugendliche, die sich für die Natur begeistern und ein Bewusstsein für die lebendige Umwelt entwickeln sollen, ist es vor allem wichtig, zu fühlen, und erst auf dieser Grundlage Wissen aufzubauen. Diese Herangehensweise erwies sich auch bei der Umsetzung des Natur- und Umweltprojekts im Fach Praxis-und Methodenlehre in den beiden ersten Kursen als besonders wertvoll.

Von Ende März bis Anfang Juni stand das Thema Natur- und Umwelterziehung jeden Montag für die Studierenden im Mittelpunkt. So wie sich die Natur in dieser Zeit veränderte, entwickelte, aufblühte, kamen die Studierenden Schritt für Schritt zu tiefgründigeren Naturerfahrungen und einem intensiven Bewusstsein. Dies machte es möglich, dass die Studierenden mit ihrer Begeisterung und ihren neuen, vielfältigen Erfahrungen, gezielt Kenntnisse an Kinder und Jugendliche weitergeben können. Der Naturpädagoge Joseph Cornell kam nach jahrelanger Arbeit zur Erkenntnis, dass eine bestimmte Reihenfolge von Aktivitäten und der damit verbundenen Wissensvermittlung für den Lernprozess von zentraler Bedeutung ist (vgl. Cornell,J.: Mit Cornell die Natur erleben. Mühlheim a.D.Ruhr 1998). Cornell ist überzeugt, dass Gruppen unabhängig von Alter, Stimmung oder Umgebung, so positiv auf diese Reihenfolge reagieren, da sie sich in Einklang mit bestimmten Formen und Prozessen der Natur befinden. Flow Learning (Fließendes Lernen) nennt er das System, da die vier Stufen ganz weich und natürlich ineinander fließen.

Stufe 1: Begeisterung wecken

„Ohne Begeisterung kann es keine wirklich bedeutende Naturerfahrung geben“ (Cornell, J.1998, S. 45). Es war keine leichte Aufgabe, Begeisterung bei den Studierenden für die Natur und Umwelt zu wecken bei winterlichen Temperaturen, stundenlangem Draußen-sein, wenn man doch gemütlich im Klassenzimmer sitzen könnte. Sich bewegen, aktiv sein, forschen, dazu lud der nicht enden wollende Winter nicht gerade ein. Doch die Studierenden ließen sich sehr gut ein, auf eine mehrstündige Wanderung mit unterschiedlichen Stationen, die eigentlich meditativ sein sollte, aber dann geprägt war von Wind, Frost und Kälte. Klassenübergreifend machten sich die Studierenden an einem Thementag mit ganz unterschiedlichen natur- und umweltpädagogischen Inhalten vertraut. Die Zusammenarbeit mit dem Unterrichtsfach Kunst/Werken war an diesem Tag eine große Bereicherung.

Stufe 2: Lernen hängt von konzentrierter Aufmerksamkeit ab

Begeisterung allein ist nicht ausreichend. Mit Begeisterung zur Konzentration - zur konzentrierten Auseinandersetzung - führten die Studierenden selbst durch die Anleitung vielfältiger Handlungseinheiten. Im Michelsberger Wald, am Fischpass des ehemaligen Landesgartenschaugeländes, am Hufeisenwehr im Bamberger Hain auf einem naturbelassenen Grundstück unterhalb der Altenburg vertieften die Studierenden ihre Kenntnisse, aber besonders auch ihren persönlichen Zugang zur Natur.

Stufe 3: Aufgehen in unmittelbarem Erfahren

Die Themen Boden, Feuer, Bäume, Naturerfahrungsspiele und Wasser wählten sich die Studierenden. Jedes Thema wurde individuell umgesetzt, die Vorbereitung wurde von den Lehrkräften begleitet. In der gesamten Klasse, mit der Klassenhälfte, in Gruppen- oder Einzelarbeit vertieften sich die Studierenden an besonderen Orten außerhalb der Schule in die unterschiedlichen Themenbereiche. Dabei war immer mehr zu beobachten, dass die Studierenden nicht nur unmittelbare Erfahrungen machen, sondern darin aufgehen. Sie erkannten die Bedeutung des Themas, fragten immer mehr und wollten etwas wissen, machten Entdeckungen und nahmen dabei den Prozess der sich veränderten Natur ganz bewusst wahr.

Stufe 4: Andere an den Erfahrungen teilhaben lassen

Die letzte, die vierte Stufe: andere an den Erfahrungen teilhaben lassen, bedeutete für die Studierenden, sich in der Klasse über die Lernerfahrungen auszutauschen und die besonderen Erfahrungen in einem Entdecker-Tagebuch festzuhalten. Diese Phase motivierte die Teilnehmer/-innen auch, ihr Wissen und ihre neue Methodenvielfalt im direkt anschließenden Blockpraktikum einzubringen.