Die Würde des Kindes ist unantastbar!

PPH Thementag im 1. Kurs zum 9. November
Der 9. November gilt als der Schicksalstag der Deutschen. Immer wieder fielen auf diesen Tag Ereignisse, die in der Geschichte Deutschlands einen politischen Wendepunkt markierten: Das Ende der Monarchie und die Ausrufung der deutschen Republik (1918), der Hitlerputsch (1923), die Novemberpogrome (1938), der Bombenanschlag gegen Hitler (1939) und der Mauerfall 1989. Viel deutsche Geschichte steckt hinter diesem Datum – Anlass genug, um diesen besonderen Tag auch an der Fachakademie zu würdigen und eine Brücke zwischen nationalsozialistischer Geschichte und aktueller Pädagogik zu schlagen.
'Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.' Das Zitat von Richard von Weizäcker stand gleich zu Beginn des PPH-Tages im Raum und sollte uns daran erinnern, wie wichtig doch ein gutes Maß an Geschichtsbewusstsein auch in der Auseinandersetzung mit aktuellen Ereignissen in Deutschland ist. – Ereignisse, die auch das pädagogische Handeln tangieren. Egal, ob es sich um die Flüchtlingssituation oder das Erstarken von rechtspopulistischen Strömungen handelt – ein gesunder Blick auf die deutsche Geschichte ist gerade auch für angehende Erzieherinnen und Erzieher wichtig. Denn er kann das Bewusstsein für ein elementar wichtiges Bildungsziel in der pädagogischen Arbeit schärfen: die Demokratiefähigkeit.
Doch wie kann Demokratie in den sozialpädagogischen Einrichtungen konkret gelebt werden? Wie entwickelt man mit Kindern und Jugendlichen ein Verständnis für Demokratie? - Die ‚Pädagogik der Achtung‘ von Janusz Korczak (1878-1942) konnte hier zahlreiche Denkanstöße und konkrete Ideen für die pädagogische Praxis geben. Der Erzieher Korczak entschied sich 1911, seine gute Stellung als Arzt aufzugeben und die Leitung eines Waisenhauses zu übernehmen. Er wurde mit ca. 200 Kindern in das Warschauer Ghetto einquartiert, wo er eine ‚demokratische Insel‘ für die ihm anvertrauten Kinder schuf. Janusz Korczak hat mit allen gängigen Erziehungspraktiken seiner Zeit gebrochen und ein völlig anderes Bild vom Kind entwickelt. Seine pädagogischen Vorstellungen zur Gestaltung einer demokratischen Lebenswelt sind heute – 100 Jahre nach seinem Wirken - noch aktuell. Unermüdlich für die Würde ‚seiner‘ Kinder kämpfend, wurde er 1942 zusammen mit ihnen in Treblinka ermordet.
Was der Nachwelt erhalten blieb, sind seine Anleitungen und Gedanken zur ‚Pädagogik der Achtung‘. Ein faszinierendes pädagogisches Werk, das seine Überzeugungskraft auch an unserem PPH-Thementag an der Fachakademie entfalten konnte. Grundgedanke und Basis von Korczak’s Pädagogik ist die Überzeugung, dass die Respektierung des Kindes durch den Erwachsenen das Kind lehrt, andere Menschen zu achten. – Am Ende des geschichtsträchtigen Schultages formulierten die Studierenden der 1. Kurse einige Merksätze, die sie in die pädagogische Praxis tragen möchten. Sätze, die in großen Buchstaben festgehalten und vorgelesen wurden; Sätze, die uns berührt haben und die wir nicht so schnell vergessen werden.
'Ein Erzieher ist nicht verpflichtet, Verantwortung für die entfernte Zukunft auf sich zu nehmen – aber er ist voll verantwortlich für den heutigen Tag.' (Janusz Korczak, 1878-1942)