„Ein Kind, ein Bleistift, ein Schulheft und ein Lehrer können die Welt verändern!“ (Malala Yousafzai)

Vortrag von Frau Erös von der Kinderhilfe Afghanistan mit Spendenübergabe

Das Nobelpreis-Komitee in Schweden hat entschieden: das Paschtunen-Mädchen Malala Yousafzai wird den Friedensnobelpreis 2014 erhalten. Als jüngste Preisträgerin aller Zeiten reiht sich Malala ein in die Galerie ihrer Vorgänger und Vorgängerinnen: Mutter Teresa, Albert Schweitzer oder Martin Luther King. Die junge Frau stammt aus dem Swat-Tal im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, der Region, in der die Kinderhilfe Afghanistan ihre Friedensschulen baut. Auch die Schule von Malala wurde nach ihrer Zerstörung durch die Taliban von der Kinderhilfe wieder aufgebaut. Herr Erös (Kinderhilfe) erinnert sich noch an das Gespräch mit Malalas Vater: „Wir haben ihr gute Bildung angedeihen lassen. Wenn sie später ihre Fähigkeiten nutzt, wird sie ein Vorbild für alle Kinder.“ Malala hat ihre Fähigkeiten genutzt, den Taliban getrotzt und dafür einen hohen Preis gezahlt. Heute ist sie ein leuchtendes Beispiel für Millionen von Mädchen weltweit und setzt sich bedingungslos ein für ihr Recht auf Bildung.
Bildung statt Fundamentalismus – dieses Motto hat sich auch die Kinderhilfe Afghanistan auf ihre Fahnen geschrieben. Mittlerweile gibt es schon 29 Bildungseinrichtungen für insgesamt 60.000 Schüler und Schülerinnen, die die Kinderhilfe Afghanistan in den letzten 10 Jahren gebaut hat. Am dritten Oktober wurde vom Ehepaar Erös zudem die erste Universität in Afghanistan eröffnet, in der auch Frauen studieren können. Wenige Tage nach den Eröffnungsfeierlichkeiten ist Frau Erös bei uns an der Fachakademie zu Besuch, um uns von Neuigkeiten aus Afghanistan zu berichten und unsere Spendengelder in Empfang zu nehmen.
Unter dem Titel „Leben in Afghanistan – Leben im Islam“ machen wir uns mit Frau Erös auf die virtuelle Bilder-Reise in eine archaische Welt. Zahlreiche Studierende aus den beiden Kursen, Lehrkräfte und externe Gäste lauschen fast 90 Minuten dem lebendigem Bericht von Frau Erös. Es gibt wohl nur wenige Menschen in Deutschland, die die Situation in Afghanistan so gut einschätzen können – die das Leben, die Bräuche und den Rechtskodex des Paschtunenvolkes so gut kennen. Kein Wunder, dass das Ehepaar immer wieder in ihrer Funktion als Berater der Bundesregierung für Afghanistan-Angelegenheiten geschätzt, in Talkshows zur aktuellen Lage in Krisengebieten eingeladen und in Radiobeiträgen interviewt wird. - Die vielschichtigen Informationen, die uns Frau Erös an diesem Nachmittag weiter gibt, würden wohl mehrere Seiten füllen. „Es ist wichtig, dass ihr Zusammenhänge erkennt, hinter schwarz-weiß-gezeichnete Medieneindrücke blickt und immer wieder Seiten an den Afghanen entdeckt, die in ihrer Welt sehr gut, vielleicht sogar noch besser als bei uns in Deutschland, funktionieren“, betont Frau Erös. Sie erläutert die Jahrtausende alte Tradition der Gastfreundschaft, skizziert die sozialrevolutionären Ideen des Propheten Mohamed und berichtet begeistert von seinem Engagement für mehr Frauenrechte. - Gerade diese geschichtlichen Details in Bezug auf die Situation der Frauen in Afghanistan lösen großes Erstaunen im Publikum aus. Viel zu schnell vergeht die Zeit, so dass manche Frage, so mancher Diskussionsbeitrag aus dem Publikum keinen Raum mehr finden kann.
Vor dem Hintergrund der skizzierten Lage in Afghanistan, diesem kriegsgebeutelten Land, wird uns die große Bedeutung einer guten Bildung für die junge afghanische Generation besonders klar. Fotos und Neuigkeiten aus unserer Partnerschule Bibi-Hawa runden den Vortrag von Frau Erös ab. Schön zu sehen, dass die Spendengelder in unserer Partnerschule in Bücher, Computer sowie Schulgeld-Patenschaften bestens investiert sind.
„Die aktuelle Bedrohung, sei es der Islamische Staat, Al Kaida oder die Taliban – sie geht auch uns in Europa an! Und wir können uns engagieren, wir können etwas tun!“ erklärt Frau Erös. Am großen Engagement der Studierenden und Lehrkräfte hat es gelegen, dass ein kleines Schul-Comitee im Anschluss an den Vortrag insgesamt 3000 Euro an Frau Erös überreichen kann. Unter dem Motto „Bildung statt Fundamentalismus – Spenden für die Friedenschulen in Afghanistan“ hatten die jetzigen Zweitkursler zahlreiche Veranstaltungen organisiert und einen großen Teil dieser Spendensumme erwirtschaftet. An dieser Stelle – auch im Auftrag von Frau Erös – nochmals ganz herzlichen Dank an alle, die diese Aktionen unterstützt haben.
Besonders angerührt an diesem Nachmittag hat uns die Geschichte einer jungen Frau. Sie war wohl eine der ersten Schülerinnen der Kinderhilfe und ist jetzt zur Schulleitung ernannt worden. Ein Hoffnungsschimmer für die Bildungsarbeit in Afghanistan und im Kampf gegen die Taliban.
So bleibt die Zuversicht, dass auch wir durch unsere Spendengelder einen Beitrag leisten und Menschen, wie diese junge Frau oder Malala, auf ihrem Weg im Kampf für ihre Freiheit unterstützen. Bildung ist ein Schlüssel zum Frieden – das ist die Hauptbotschaft der Kinderhilfe. Oder, – um es mit den Worten von Malala zu sagen: „One child, one teacher, one book, one pen can change the world.“


