Erlebnis Winter

Winter und Schnee als Medium in der Erlebnispädagogik
Zum ersten Mal seit vielen Jahren machte die Erlebnispädagogikgruppe den Winter und den Schnee zum Medium, das es den Teilnehmer/innen ermöglichte, Natur und Gruppe und sich selbst intensiver zu erleben. Der Maßstab des eigenen Könnens, der Grenzüberschreitung war bei diesem Wochenende nicht so wesentlich. Die Natur und die Gruppe standen dieses Mal im Mittelpunkt und natürlich das Ausprobieren von vielfältigen Methoden für die Praxis.
Grenzerfahrung war dieses Mal für die Leitungsgruppe der Studierenden eher die Vorbereitung als die Durchführung des Wochenendes. Der geplante Vorbereitungstag musste wegen der Warnung vor Sturm Daisy verschoben werden, das Planungsteam „Slackline- Teamübungen auf dem Niederseil“ kämpfte stundenlang bei eisigen Temperaturen im Wald beim Erproben des Auf- und Abbaus mit der Technik und der eingefrorenen Ausrüstung, die letztendlich nur ohne Handschuhe bedient werden konnte, da diese an der Ratsche festfroren. Die Planungsgruppe, die sich für das gemeinsame Wochenende auf die Begehung des Höhenglücksteigs vorbereiten wollte, hatte aufgrund der völlig zugeschneiten Landschaft zunächst erhebliche Orientierungsprobleme und scheiterte dann bereits nach etwa 5 % der Begehung des Klettersteiges an den Bedingungen von Eis und Schnee. Ziemlich frustriert trafen sich alle im Wirtshaus von Hirschbach zum Austausch und wir Lehrkräfte, Frau Roos und Frau Schnepf, mussten uns sicher nicht unberechtigt anfragen lassen, wie man denn auf die Idee kommt, solch ein Wochenende im Winter zu planen und durchzuführen.
Und dann auch noch Slackline …, das, wie es auch eine Teilnehmerin bei der Schlussreflexion formulierte, Gedanken weckt an gut aussehende Männer mit nacktem Oberkörper, die im Sommer im Park barfuß übers Seil schweben. Und dann wir, ausgerüstet mit einer schlecht funktionierenden eingefrorenen Ratsche, dicken Wanderstiefeln und Skihosen mitten im winterlichen Wald über dem Hirschbachtal in der Oberpfalz.
Die intensive Erfahrung der winterlichen Verhältnisse, die Erfahrung für die „Planungsgruppe Klettersteig“, dass nicht alles geht, was man sich vorgestellt hat, die Erfahrung aufgeben zu müssen, den anderen zu sagen, dass man gescheitert ist, feste Vorstellungen loszulassen und innerhalb einer Woche einen Plan B zu entwickeln in mitten von anstehenden Schulaufgaben und Referaten, stellte die zweite Herausforderung für das Planungsteam dar. Für die Gruppe Slackline wurde kurzfristig besseres Material bestellt, Trockenübung in Eggolsheim machte das Team sicher im Aufbau, die Klettersteiggruppe plante als Alternativprogramm Schneespiele für Gruppen. Ungewiss blieb der Verlauf des Wochenendes dennoch, nachdem viele Teilnehmer/innen enttäuscht waren, dass Klettern nicht möglich war, nachdem plötzlich in unserer Gegend der Schnee weg schmolz und die Gesamtgruppe sehr angestrengt war durch die intensive Schulaufgabenzeit vor und nach dem Wochenende.
Umso erstaunlicher deshalb, dass es vor Ort doch noch Schnee gab, welche Wirkung die Natur und das draußen sein und auf die Stimmung der Gruppe hatte, wie sich die Gruppe einließ auf Kälte, Eis und Schnee, wie Aufgaben im Zusammenleben selbstverständlich und gleichberechtigt übernommen wurden, wie überhaupt nicht spürbar war, wer aus der a oder b Klasse kommt, wie die Aufgabestellung umgesetzt wurde, Informationen über geschichtliche, kulturelle und geografische Besonderheiten der Gegend in das Programm zu integrieren.
Schon während der gemeinsamen Tage entstand der Wunsch, die Vielfalt der Methoden und Erfahrungen schriftlich zu sammeln und festzuhalten, damit in der Erinnerung nicht nur das Erlebnis Winter bleibt, sondern die Lernerfahrungen gesichert sind für eine spätere Übertragung in die unterschiedlichen Praxisfelder.
Dass wir doch nicht exotisch sind, wenn wir slackline Übungen im Winter ausprobieren zeigt der neueste Eintrag auf der Hompage von klettern.Frankenjura com, denn auch die Profis finden einen Reiz an den winterlichen Gegebenheiten.