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„Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung“…

Waldpäd 0910 04
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.10
Von:
Chrissi Stieglitz, Berufspraktikantin

Waldpädagogiktage im Berufspraktikum - Ein Erfahrungsbericht von Chrissi Stieglitz, Berufspraktikantin

„Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung… “unter diesem passenden Motto verbrachten wir Berufspraktikant/innen bei strömendem Regen zwei Tage im Walderlebniszentrum in Schernfeld bei Eichstätt. Das Seminar Waldpädagogik, das wir im Rahmen des Berufspraktikums wählen konnten, klang so verlockend, dass zwei Gruppen zustande kamen. Wir, die erste Gruppe, hatten unseren Termin vom 19.-20.Mai 2010. Bereits vor der Abfahrt herrschte bei einigen Unwohlsein, da der Radiosprecher uns „richtig viel Dauerregen und nächtliche  Temperaturwerte um den Gefrierpunkt“ vorhersagte, was letztlich auch so eintraf. 


Dennoch erschienen alle angemeldeten 13 Studierenden der ersten Gruppe und die gut gelaunten und wetterfesten Lehrerinnen Frau Schnepf und Frau Roos  in Schernfeld. Zuerst begutachteten wir unsere Behausungen für die Nacht: Holzhütten auf Hackschnitzelboden mit eingehängten Türen, die dennoch eine gemütliche Stimmung vermittelten. Nach der Entladung des vollgepackten VW Busses und einer allseits bekannten Erwartungsrunde ging es ausgerüstet mit Gummi- und Wanderstiefeln, Matschhose, Regenjacke und Wollmütze in den schönen Wald. Wir begannen mit mehreren Naturerfahrungsspielen, um uns aufzuwärmen und uns für die bevorstehenden Abenteuer zu wappnen.

Die erste Aufgabe hatte es, wie auch die anderen erlebnispädagogischen Elemente, in sich. Denn die Übungen sahen oftmals leichter aus als sie im Endeffekt waren und verlangten einigen von uns viel Überwindungskraft ab. Das Emporklettern einer freihängenden Strickleiter war die erste Aufgabe. Das Klettern an sich war für die meisten nicht das Problem, vielmehr machte einigen die Höhe von knappen neun Meter zu schaffen, andere spekulierten, ob sie die nötige Kraft aufbringen könnten. Trotz aller Unsicherheit und Dank den motivierenden Sprüchen der Lehrerinnen kamen alle locker, manche sogar mit verbundenen Augen, am Ziel an. Besonders das Gefühl in neun Metern Höhe Arme und Beine von der Leiter zu nehmen und sich abseilen zu lassen, sorgte für die ersten Adrenalinstöße.

Nachdem wir die Möglichkeit hatten, uns in unserem Gemeinschaftshaus  am Feuer etwas zu trocknen und uns mit viel Tee und Kaffee innerlich aufzuwärmen, waren alle motiviert, den Teich zu überqueren. Nach kurzem Fußmarsch kamen wir an dem Biotop an, über das ein Drahtseil und zwei Behelfsseile gespannt waren. Die ganz Wagemutigen unter uns überquerten den Teich blind bzw. begannen zu zweit von beiden Seiten aus, sodass sie sich in der Mitte trafen. Dieses Schauspiel löste heitere Begeisterung und Lachanfälle aus, da die beiden sprichwörtlich „in den Seilen hingen“ – und die Schadenfreude ja bekanntlich die Schönste ist. Die Akrobatinnen haben ihr Ziel jedoch mit trockenen Füßen erreicht. Trotz immer noch anhaltendem Dauerregen wollten wir noch unbedingt an diesem Tag den berühmt berüchtigten Tümpel aufsuchen. Nachdem wir unsere Wechselkleidung eingepackt hatten (man sagte uns, dass es unter Umständen nass werden kann) machten wir eine Wanderung durch den Schernfelder Forst. Der Tümpel der vor hunderten von Jahren als Kalkofen gebaut wurde, später als Futtertränke diente, war für uns eine besondere Attraktion. Aufgabe war es, mit einem Seil über den Tümpel zu schwingen, ohne ins Wasser zu fallen bzw. nass zu werden. Dieses Spektakel ist sehr empfehlenswert für Groß und Klein, zum selbst Ausprobieren oder einfach nur zum Gucken, Lachen und Staunen. Bei einigen von uns ließ sich die Abstammung zum Affen (der von Liane zu Liane schwingt) nicht bestreiten, da diese mit einer sagenhaften Leichtigkeit, regelrecht über den Tümpel „flogen“. Aber dies gelang nicht allen… Manche kamen dem Tümpel näher als sie wollten und wechselten unfreiwillig von der „Vogel-“ in die „Fischperspektive“.

Nach diesem sehr heiteren Nachmittag folgte ein gemütlicher Abend mit einem Festmahl. Die Nacht war erstaunlicherweise auch weitaus angenehmer und kuscheliger als anfangs vermutet und befürchtet. Außer den gelegentlichen Mausattacken, bei denen Mäuse in der Nacht durch die Hütten huschten.

Am nächsten Morgen machten wir mit dem Förster und Leiter des Walderlebniszentrums Herrn Kriebel eine dreistündige Waldbegehung, bei der er uns sehr viel Wissenswertes und Neues über Bäume, Pflanzen und die dortige Juraregion berichtete. Die letzte Aufgabe, die wir zu bewältigen hatten, war eine Gemeinschaftsaufgabe die Kooperation, logisches Denken und Teamwork verlangte. Wir meisterten auch diese Aufgabe in Rekordzeit.

Am Ende des Seminars stellten wir bei der Reflexion einstimmig fest, dass diese zwei Tage fantastisch und unbeschreiblich waren, trotz des schlechten Wetters -  denn bei guten Wetter kann ja jeder in den Wald!