Fränkisch-Senegalesische Visionen


Es ist schon ein ganz besonderer Augenblick, als Claude Diene, Pascal und Miré den Kunstraum der Caritas-Fachakademie betreten. Zusammen mit 18 weiteren Delegierten ist der Künstler aus Thiès (Senegal) anlässlich des 10-jährigen Partnerschaftsjubiläums in das fränkische Bamberg gekommen. Pascal und Miré, die im Moment ihr Freiwilligenjahr in Deutschland absolvieren, begleiten Claude und übernehmen die wichtige Aufgabe des Übersetzens ins Deutsche.
Claude versteht sich als Künstler und Philosoph und drückt in seiner Kunst das aus, was ihn am Meisten beschäftigt: soziale Konflikte im Senegal, mangelnde Perspektiven der Jugend und den Entwicklungsbedarf in Afrika. In seinen Werken kommen diese existenziellen Fragen zum Ausdruck: ‚Ich arbeite für die Menschen und habe eine Vision', so der Künstler.
‚Meine Visionen' - dieses Schwerpunktthema hatte die Kunstpädagogin Doris Müller so auch für den Nachmittag mit dem Künstler Claude gewählt. Mit unterschiedlichen Techniken näherten sich die Studierenden diesem spannenden Thema an: Was sind Visionen von Menschen, die in der Weltkulturerbestadt Bamberg leben und im Moment die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher absolvieren? Und welche Visionen haben der Künstler Claude oder Pascal und Miré aus dem Senegal?
Schon bald waren die Studierenden mit den drei Senegalesen im Austausch und es blieb kaum genügend Zeit für all die Themen und Fragen, die plötzlich im Raum standen: Wie können wir uns das Zusammenleben der Volksstämme vorstellen? Was ist eigentlich Animismus? Und warum ist die interreligiöse Toleranz in diesem Land so stark ausgeprägt? Wie hört sich Wolof an, die Stammessprache, die man im Senegal häufig hören kann? Und welche Träume haben Menschen aus dem Senegal?
Eine Zeichnung von Claude Diene stand immer wieder im Zentrum (siehe Foto): Für Claude besitzen gerade Bildung und Schule eine zentrale Bedeutung. Dies stellt er durch einen Flaschenkürbis dar, in dem ein offenes Buch liegt. Die Früchte des Affenbrotbaumes zeigen an, dass am Ende der Ausbildung jeder Einzelne nützlich für die Gesellschaft sein muss. Die Karte des Senegal und eine hybride Figur veranschaulichen, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen ein Recht auf Bildung haben.
Beim anschließenden künstlerischen Schaffen wurden die Fragen und Themen der Studierenden noch vertieft. Doch die Zeit mit Claude, Pascal und Miré war im Nu verflogen. Was beim Abschied blieb, war nicht nur das gemeinsame Foto und zwei Kunstwerke von Claude, die er der Fachakademie gewidmet hat. Diese Begegnung von Studierenden und den drei Menschen aus dem Senegal haben uns die Möglichkeit gegeben, einen Blick über den Tellerrand in die Welt zu werfen. Und vielleicht begegnen wir Claude, Pascal und Miré auch wieder - sei es in Bamberg oder dem Senegal.


