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Gott weiblich – ein besonderer Thementag oder:

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Datum:
Veröffentlicht: 15.7.10
Von:
Horst Engelhardt

Was Shakira und Angela Merkel mit antiken Göttinnen gemeinsam haben

„Mein Gott ist mächtig und männlich, aber auch freundlich. „Er ist überall und unsichtbar…“. „Ich glaube an einen Gott, der mich beschützt“. So und ähnlich beschreiben 15 Studierende der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik ihre Gottesbilder am Beginn eines besonderen Schultags in Bamberg.

Der Rosengarten nahe der Neuen Residenz, in den wir uns zurückziehen, ist heute unser „Klassenzimmer im Grünen“: Eine Umgebung, die mit ihrer morgendlichen Stille einlädt, über Gott und die Welt nachzudenken und ins Gespräch zu kommen.

Wie kommen wir zu unseren Gottesvorstellungen? Wer hat sie beeinflusst und begleitet? Wie würde ich mein Bild von Gott beschreiben? Und wie kann ich heute Kindern und Jugendlichen von Gott erzählen? Mit diesen Impulsen wollen wir Gottesbilder in den Blick nehmen.

Unser Ausgangspunkt: Die Gegenwart, genauer Stars und Prominente von heute. Pamela Anderson, Angela Merkel, Mutter Teresa, Lara Croft und Shakira besitzen Eigenschaften, die sie herausheben: Schönheit, Erotik, Fruchtbarkeit, Macht, Kampfeswille, Mitgefühl…

Unsere nächste Station: der Bamberger Dom. Dort sind es vor allem die Frauenfiguren, die an diesem Tag unsere besondere Beachtung finden: Eva an der sog. Adamspforte, die Kunigunde, die Mariendarstellung am Veit-Stoß-Altar oder die Figur der Königin von Saba am Chorgestühl…

Schließlich betreten wir die Ausstellung „Gott weiblich - eine verborgene Seite des biblischen Gottes“ im Diözesanmuseum, der Höhepunkt des Tages. Ausstellungsstücke aus einem Zeitraum von fast 10.000 Jahren machen deutlich, wie sich Gottesbilder im Lauf der Zeit verändert haben, wie sich der jüdisch-christliche Glaube an einen Gott (Monotheismus) aus einem Viel-Götterglauben (Polytheismus) entwickelt hat und warum weibliche Aspekte Gottes in der kirchlichen Tradition häufig auf der Strecke geblieben sind. Ein ums andere Mal stellen wir überrascht fest, dass die Darstellungen weiblicher Gottheiten aus dieser Epoche von ähnlichen Attributen geprägt sind wie Heldinnen und bedeutende Frauen unserer Zeit.

Es gibt also offenbar bestimmte positive, göttliche Eigenschaften, die über einen bestimmten kulturellen oder historischen Kontext hinaus gültig sind als zentrale Aspekte des menschlichen Lebens überhaupt. Ausdruck finden sie in Bildern und Figuren.

Eine Ausdrucksweise, der wir Form und Gestalt geben, die wir uns zu Eigen machen, indem wir unsere Vorstellungen von einer weiblichen Gottheit mit Salzteig modellieren.

Im Schatten des Doms lassen wir zum Abschluss das Gehörte und Gesehene Revue passieren. Wir kehren noch einmal zu unserer Ausgangsfrage vom Beginn des Tages zurück. Unser Gottesbild ist erweitert worden. Es ist vielfältiger und bunter geworden. Weiblicher. Lebendiger.