Günzel, Gewölle, Gewitter - ganzheitliches Lernen im Wald

Berufspraktikant/-innen erfahren im Walderlebniszentrum Schernfeld den Zusammenhang von Waldpädagogik und Bildung für nachhaltige Entwicklung
„Wie viel Wasser hast du heute schon verbraucht? Wie viel Wasser stecken in den zwei Tassen Kaffee, die du heute getrunken hast?“ Diese Fragen regten die Berufspraktikant/-innen zunächst zum Nachdenken an. Zum Nachdenken nicht nur über mögliche Antworten, sondern auch darüber, was die Fragen mit Waldpädagogik zu tun haben, dem Thema weswegen sie hier waren, im Walderlebniszentrum Schernfeld bei Eichstätt, versammelt um den Waldpädagogen und Forstmeister Andreas Böhm.
Mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und Vorerfahrungen in Bezug auf den Wald und Waldpädagogik waren die 16 Berufspraktikant/-innen im Walderlebniszentrum Schernfeld zusammengekommen, haben sich an dem besonderen Ort für zwei Tage eingerichtet und sofort wohlgefühlt. Das Außergewöhnliche am Walderlebniszentrum Schernfeld ist nicht nur Atmosphäre des Ortes, der vielfältige Wald, sondern das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hinter diesem Begriff steht das Bemühen, Waldpädagogik noch wirkungsvoller zu betreiben. Und zwar eine Form der Waldpädagogik, die dem alltäglichen Handeln nahe ist, die die Eigeninitiative und die Kompetenzen der Teilnehmer fördert. Die Teilnehmer/-innen sollen Impulse für ihre waldpädagogische Arbeit bekommen und einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zur Zukunftssicherung leisten.
So kam zu den eigenen Erwartungen der Berufspraktikant/-innen, sich Wissen über die Natur anzueignen, Anregungen für die Praxis zu bekommen und Waldpädagogik mit erlebnispädagogischen Elementen zu verbinden noch das besondere Anliegen der Einrichtung dazu. In einem überschaubaren Ort, dem Wald wie hier im Schernfelder Forst sollen die aktuellen globalen Probleme erlebbar gemacht werden. Der Wald ist ein idealer Ort, den dauerhaften Kreislauf des Wachsens, der Pflege zu beobachten und zu erfahren. Hier kann vermittelt werden, wie Nachhaltigkeit funktioniert.
Ganz schnell waren die Berufspraktikant/-innen mitten in der persönlichen Auseinandersetzung, die auch eine wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Auseinandersetzung war. 280 Liter Wasser bei zwei Tassen Kaffee, wenn man den virtuellen Wasserverbrauch errechnet.
Als virtuelles Wasser wird jenes Wasser bezeichnet, das zur Erzeugung eines Produkts aufgewendet wird. Zieht man die Bilanz des virtuellen Wassers, verbraucht jeder Deutsche pro Tag rund 4000 - 5000 Liter Wasser. Und wie viel Wasser benötigt ein Baum? Auch die Antwort auf diese Frage ließ die Berufspraktikant/-innen staunen. Eine Buche, die mit ihren tiefen Wurzeln Zugang zum Grundwasser hat, schleust an einem Sommertag bis zu 500 Liter durch Stamm und Blätter.
Bei der Waldbegehung mit Andreas Böhm lernten die Berufspraktikant/-innen unheimlich viel über Bäume, Pflanzen, Tiere und vielfältige Zusammenhänge. Die Lernerfahrungen waren immer wieder gekoppelt mit Spielen in und mit der Gruppe oder dem individuellen Erleben.
Die Teilnehmer/-innen übten sich in weiteren Einheiten auch selbst in der Anleitung von Naturerfahrungsspielen, vermittelten sich gegenseitig Wissen, ließen sich an besonderen Erfahrungen teilhaben. So manche steigerten sich dabei so hinein, dass sie sogar bei heftigem Gewitter nachts vor ihrem Hüttchen herumsprangen, um etwas vor dem Regen zu retten, was sie am nächsten Tag den anderen zeigen wollten - nämlich „Gewölle“- bis Frau Roos ein deutliches Machtwort sprach. Was tun bei Gewitter im Wald? Auch das wurde am nächsten Tag diskutiert. Auf jeden Fall nicht mit einer großen Taschenlampe aus Metall in der Hand über die Lichtung hüpfen und Gewölle suchen.
Jede/-r hat individuelle intensive Erfahrungen und Erlebnisse mitgenommen und für sich die Antwort gefunden, was Waldpädagogik ausmacht. Für eine Teilnehmerin war das Besondere, die Ästhetik im Wald und diese schönen Plätze den anderen zu zeigen, mit den anderen zu teilen. Bei der Umsetzung der erlebnispädagogischen Elemente im Wald ging es stark um das Thema Grenzen. Grenzen zu überwinden und Erfolgserlebnisse zu haben, mit den anderen Erlebnisse zu teilen, aber auch darum, Grenzen zu spüren, ausgebremst zu werden. Bewusst wurde bei vielen Einheiten, dass es die letzten gemeinsamen Seminartage waren, bei denen Erleben und Lernen, klassenübergreifende Gemeinschaft, Austausch über die Praxis, lernen für die Praxis in dieser Form möglich war. Bewusst wurde dadurch auch noch einmal, welche vielfältigen Erfahrungen die Ausbildung an der Fachakademie geboten hat.
Viele haben es genossen, mal wieder Kind sein zu dürfen, so richtig dreckig zu werden. Oder auch Schrammen, blaue Flecken zu haben, was wiederum, wenn auch ungewollt, einen Beitrag zur „Nachhaltigkeit“ bedeutete.
Einen besonderen Dank möchten wir an die Verantwortlichen des Walderlebniszentrums richten. Danke, für die Weitergabe der Erfahrungen, des Wissens, die tolle Form der Vermittlung. Danke, dass wir wieder im Walderlebniszentrum übernachten durften, die Möglichkeiten, die der Wald bietet, die im Wald geboten sind, nutzen konnten!