Zum Inhalt springen

Heute ist mein Lieblingstag!

Heute ist mein Lieblingstag
Datum:
Veröffentlicht: 22.7.22
Von:
Ulrike Roppelt
Kinder und Jugendliche sind vom Tod eines nahestehenden Menschen ebenso betroffen wie Erwachsene. Doch: Kinder trauern anders! Sie gehen mit ihren Trauergefühlen anders um und zeigen ihre Gefühle anders.
Heute ist mein Lieblingstag

Um Kinder und Jugendliche in Abschieds- und Trauerphasen als Erzieher/in gut begleiten zu können, braucht es einen fachlichen Blick auf diese besondere Situation. Marlene Groh und Michelle Dotzer haben uns im Rahmen von Psychologie die Möglichkeit gegeben, uns mit dem Thema Tod, Trauer und Sterben intensiv auseinander zu setzen. Beide haben die Ausbildung zur Kinder- und Jugendtrauerbegleitung absolviert und sind seit vielen Jahren in der Begleitung von trauernden Kindern und ihren Familien tätig. Ihren reichen Erfahrungs-, Methoden- und Materialschatz haben sie mit uns geteilt.

Auch wenn Kinder und Jugendliche mit ihrer Trauer anderes umgehen, sie anderes zeigen oder auch verstecken, gilt es, sie ihrem Alter entsprechend einzubeziehen, sie zu informieren und an der Trauer teilhaben zu lassen. Denn sie spüren ohnehin, dass etwas „in der Luft” liegt. Werden sie dagegen einbezogen, können sie die trauernden Menschen und sich selbst besser verstehen und diese Herausforderungen besser bewältigen.

Trauernde Kinder und Jugendliche brauchen Erzieher/innen, die für sie da sind, die sie mit ihren großen und kleinen Ängsten und Nöten ernst nehmen, die ehrlich und aufrichtig auf ihre Fragen eingehen, sich Zeit nehmen und ihnen Geborgenheit geben. – Doch um dieser Aufgabe als angehende Erzieher/in gerecht zu werden, ist es wichtig, sich zunächst selbst mit dem Thema auseinander zu setzen, auf eigene Trauererfahrungen zu blicken, sich den eigenen persönlichen Fragen zum Thema Tod zu stellen. Erst dann wird der Blick frei, sich auf fachliches Hintergrundwissen einzulassen.

Was würden Sie tun, wenn heute der letzte Tag in Ihrem Leben wäre? – Dieses Gedankenexperiment haben Marlene und Michelle deshalb zunächst in den Mittelpunkt des Thementages gestellt. - Im Hier und Jetzt leben. Das hört sich immer so einfach an und ist so schnell gesagt, aber es ist doch so unglaublich schwer umzusetzen! Die Gedanken wandern einfach viel zu oft in die Zukunft, die offenen Fragen drängen sich ins Bewusstsein und belagern das Denken.

Ziel der Übung ist, den Blick auf das Wesentliche im eigenen Leben zu lenken: auf das, was ich habe, auf das, was ist. – Und das zu tun, was mir wichtig ist im Leben: Jemandem Danke zu sagen, den man sonst gar nicht wahrnimmt. Einer Klassenkameradin ein Lächeln zu schenken und sie wahrzunehmen. Etwas erledigen, das man lange aufgeschoben hat und was sich immer wieder ins Bewusstsein schleicht. Sich bei jemanden aus dem Familie entschuldigen oder einen lang aufgeschobenen Arzttermin ausmachen. Alte Freunde anrufen und die Freundschaft aufleben lassen. Alles Dinge, die nichts kosten. Und den Tag doch so viel wertvoller machen. „Im Hier und Jetzt ist der beste Moment meines Lebens, in dem ich wirklich am Leben bin“, so das Fazit der Studierenden. Das Thema bespricht auch Puh der Bär (Bilderbuch) mit seinem Freund:

„Welcher Tag ist heute?“ fragt Puh der Bär seinen Freund. Dieser antwortet Puh: „Heute ist heute“. „Oh, das freut mich aber,“ sagt Puh der Bär, „denn Heute ist mein Lieblingstag“." (A. A. Milne)

Auch der Tod von Omid hat uns an diesem Tag beschäftigt. Marlene und Michelle haben viel Raum gegeben für die Gedanken und Gefühle, die mit dieser Trauer immer noch stark verbunden sind. Und wir hatten einen Platz, unsere Wünsche für Omid zu formulieren.

Heute ist mein Lieblingstag
Heute ist mein Lieblingstag
Heute ist mein Lieblingstag
Heute ist mein Lieblingstag
Heute ist mein Lieblingstag
Heute ist mein Lieblingstag