Zum Inhalt springen

„Ich bin so glücklich!“

Erlpäd1213
Datum:
Veröffentlicht: 27.1.13
Von:
Martina Schnepf

Erlebnispädagogikseminar der zweiten Kurse wird zur intensiven persönlichen Erfahrung und ermöglicht Lernen für Schule und Praxis

„Ich bin so glücklich!“, dieser Satz fiel immer wieder während und am Ende des Erlebnispädagogikseminars am vergangenen Wochenende. Dabei standen am Anfang bei den Studierenden und Lehrkräften ganz andere Gefühle im Mittelpunkt. Bei den Studierenden war da zum Teil Vorfreude, aber auch große Angst. Angst vor Kälte, vor der Höhe, vor dem Versagen der Kräfte. Es gab das Gefühl des Überlastet sein von schulischen Aufgaben, das Bedürfnis nach Erholung und Zeit für sich am Wochenende. Aber es war nun mal gewählt dieses Wahl-pflicht-fach Erlebnispädagogik und zum Teil waren damit auch Aufgaben der Anleitung und damit auch Notengebung verbunden. Also wenig Erholung und Glück, dafür Aufregung, vorher auch unruhige Nächte. Die beiden Lehrkräfte stellten sich zu Beginn die Frage, wie sie umgehen, mit diesen unterschiedlichen Gefühlen, mit einer kleinen zusammengewürfelten Gruppe aus zwei Klassen. Sie berieten sich, wie sie auf die Enttäuschung der Teilnehmer/-innen eingehen würden, wenn voraussichtlich die Wetterbedingungen einen Strich durch die Rechnung machen, weil der geplante Höhenglückssteig aufgrund von Eis und Schnee nicht begangen werden kann. Wenn das, worauf sich die Gruppe tatsächlich freut, auch wenn damit Ängste verbunden sind, nicht möglich ist. Entscheidungen offen moderieren, mit der Gruppe aufarbeiten, das sollte dann das Ziel sein. Und dann wurde es überraschend für alle eine Erfahrung des Glücks.

„Was ist Glück?“, diese Frage stellten zwei Teilnehmerinnen der Gruppe vor dem Start in das Erlebnispädagogikwochenende an der Schule noch Lehrkräften und Studierenden, da sie die Antworten als Einstieg für eine Handlungseinheit in Pädagogik verwenden wollten. Dass sie diese Frage mit in das Wochenende nehmen würden und darauf auch persönliche Antworten bekämen war nicht bewusst und nicht geplant. Im abgelegenen Hirschbach in der Hersbrucker Schweiz konnte sich die Gruppe sofort auf die besondere Natur, die Winterlandschaft, die erlebnispädagogischen Methoden einlassen. „Was wir hier tun und erleben, das berührt doch alle Fächer der Schule“, so eine Teilnehmerin auf dem Rückweg von der Cäciliengrotte. „Diese Stimmung und Erfahrung hat was mit Religion zu tun, das ist auch Pädagogik, Umwelterziehung… und naja stimmt, wie der Herr Wenkemann immer sagt, Mathe ist ja überall dabei…“.

Was alle Teilnehmer/-innen des Wochenendes mitnehmen sind Teamerfahrungen, das Kennenlernen neuer Methoden, Lernen von Organisation, die Bedeutung der eigenen Grenzen, das Verständnis metaphorischen Lernens - die Übertragung der Lernerfahrungen auf das eigene Leben, die Übernahme von Verantwortung für sich und andere. Und es ist vielleicht nicht zufällig, dass er Höhenglücksteig heißt, der Klettersteig, der dann doch begangen werden konnte und zu einer zentralen Erfahrung wurde für die einzelnen und die Gruppe. Am Ende und schon immer wieder zwischendurch stand dann nicht mehr die Frage „Was ist Glück?“, sondern der Ausruf: „Ich bin so glücklich!“