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"Ich kann genauso Kinder erziehen"

Norbert Ritli
Datum:
Veröffentlicht: 11.4.10
Von:
Nadja Treuner (ft vom 8.4.2010)
Anders als der Girls' Day, der seit Jahren fest etabliert ist, tun sich die Jungen noch schwer mit dem Gedanken an einen "typisch weiblichen" Beruf. Norbert Ritli aus Bamberg hat eine Ausbildung zum Kinderpfleger absolviert.

Bamberg - 22 Jahre, groß, sportlich, Brose-Baskets-T-Shirt: Das Hobby von Norbert Ritli lässt sich unschwer erraten. Auf den Berufswunsch des Bambergers dürften allerdings nur wenige auf Anhieb kommen: Erzieher.

Kürzlich hat Norbert Ritli seine Ausbildung zum Kinderpfleger erfolgreich abgeschlossen; zu der auch ein Praktikum im Kindergarten St. Kunigund gehörte. Überraschte Reaktionen darauf ist der Bamberger gewohnt, "gerade weil ich sonst nicht gerade der Ruhigste bin". Trotzdem habe er nie negative Resonanz erlebt: "Die meisten reagieren mit Respekt oder sagen sie könnten so etwas nicht."

Auch im Kindergarten St. Kunigund löste der erste männliche Praktikant bei so manchem Steppke Verwunderung aus, für den es neu war, "dass Männer genauso putzen, aufräumen und so". Norbert Ritli selbst hält von so einem Rollenverständnis nicht viel: "Ich kann genauso Kinder erziehen." Doch nicht nur das. Bei der Arbeit im Kindergarten habe "Mann" sogar gewisse Vorteile: "Ich bin zum Teil einfach gelassener als weibliche Kollegen." Gerade aufgrund der wachsenden Zahl von Alleinerziehenden hält er es für wichtig, dass es mehr Männer im Kindergarten gibt.Dies scheint allerdings noch in weiter Ferne: "In meiner Klasse waren von 31 Schülern gerade mal vier Jungs".

 

Seine berufliche Zukunft sieht Norbert Ritli trotzdem eher in der Jugendarbeit als in der Kinderbetreuung. Deshalb absolviert er nun eine Ausbildung zum Erzieher und arbeitet zusätzlich bei iSo (innovative Sozialarbeit) mit. Besonders schätzt er dort die Möglichkeit, Hobby und Berufliches zu verbinden.

Eigene Ideen einbringen

Der passionierte Basketballer engagiert sich bei iSo bereits seit drei Jahren im Projekt "Baskidball ". Besonders gefallt Norbert Ritli an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, "dass man eigene Ideen einbringen kann".

Und auch wenn Schule und Arbeit auch mal anstrengend sind, bereut der 22- Jährige seine Berufswahl nicht: "Ich bin total zufrieden. Kfz-Meister wie mein Vater hätte ich mir nie vorstellen können."