Sankt Martin gilt bei uns wohl als einer der populärsten Heiligen. Und wer erinnert sich nicht an die eigene Kindheit mit Martinsspiel, Martinsbrezeln und Lichterzug. Auch heute ziehen wieder Kinder in den Abendstunden des Sankt Martinstags mit ihren zumeist selbstgebastelten Laternen hinaus in die Dunkelheit. Hell soll es werden – und das nicht nur durch den Schein der Lampions, sondern vor allem durch eine solidarische Grundhaltung, die am Vorbild des Heiligen gelernt werden will.
Der Martinstag erinnert an den Einsiedler und späteren Bischof Martin von Tours. Der Überlieferung nach soll er seinen Dienst bei der Armee quittiert haben, um Kranken und Armen zu helfen. Die Legende erzählt, dass der römische Offizier Martin auf den Weg zu einem Truppenlager einen Aussätzigen trifft und mit ihm seinen Mantel teilt. Das Teilen wurde so zu einer Kernbotschaft christlichen Glaubens. Und gerade heute, angesichts der Not von tausenden Menschen auf der Flucht, die bei uns Asyl suchen, scheint die Bereitschaft sich als Teil der Gemeinschaft zu begreifen und anderen zu helfen, wieder angesagt zu sein. Das Licht der Laternen und der geteilte Martinsmantel sind eindrucksvolle Symbolbilder dafür.
Studierende der ersten Kurse haben sich im Rahmen des Religionspädagogikunterrichts auf unterschiedliche Weise mit der Legende, dem Brauchtum und der Bedeutung des St. Martinsfests auseinandergesetzt, um mit Kindern und Jugendlichen dieses besondere Fest jedes Jahr aufs Neue zu feiern. So führte ein Martinszug zur früheren Essens-Ausgabestelle für Bedürftige auf dem Schulgelände. Dort wurde die Mantelteilung „nachgespielt“ und Brot bzw. selbstgebackene Martinsgänse geteilt. In einem Gottesdienst wurde die Martinslegende als Schattenspiel inszeniert und mit dem Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ in Beziehung gesetzt. Teilen wurde konkret: Eine große Menge an Spielsachen wurde von den Studierenden gespendet und konnte noch am selben Nachmittag an den Bamberger St. Vinzenzverein, der sich um die Belange von bedürftigen Kindern kümmert, weitergegeben werden.
Nicht nur die Laternen leuchteten hell an diesem milden Novembertag. Man hatte den Eindruck, dass in jedem Einzelnen etwas an Leuchtkraft entfacht wurde.
Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen muss Bestrebungen, das St. Martinsfest durch ein „Lichterfest“ zu ersetzen, eine klare Absage erteilt werden. Lässt sich doch am Heiligen Martin konkret lernen, was solidarisches Handeln meint. Und gehört Teilen nicht in allen Religionen zu den wesentlichen Grundprinzipien?
Mit dem Elisabethtag am 19. November erinnern Studierende, Kinder der Kindertagesstätte, Jugendliche der Wohngruppen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an eine weitere, besondere Lichtgestalt – die Heilige Elisabeth. Sie ist die Namenspatronin der Einrichtungen am Jakobsberg.
Horst Engelhardt