Livechat mit Syrien – Eine-Welt-Tag im 2. Kurs


Okba ist Englischlehrer sowie langjähriger Trainer im Bereich Friedens- und Demokratieentwicklung und ist 2015 von Salamiyah nach Deutschland geflohen. Seit 2016 arbeitet er beim bbw Hof und als Referent im Bereich globale Bildung (BtE). Wir hören seine Fluchtgeschichte von Syrien nach Deutschland. Mit seiner humorvollen Art und vielen Fotos schafft es Okba, uns mit auf diese Reise zu nehmen und uns anhand seiner Geschichte zu verdeutlichen, welche Ursachen dazu führen und was eine Flucht bedeuten kann: lebensgefährliche Situationen meistern, Ausgeliefertsein aushalten, schweben zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Solidarität und Vertrauensbrüche erleben, Hunger und Kälte aushalten und immer wieder mit der eigenen Angst konfrontiert sein. Okba erzählt auch eindrücklich, was es als Syrer heißt, in einem kleinen oberfränkischen Dorf anzukommen und welche Herausforderungen auf dem Weg in die deutsche Gesellschaft auf ihn gewartet hatten. Wie kommt man in Kontakt mit den Dorfbewohner*innen, wenn bereits die Kontaktaufnahme in englischer Sprache zu ängstlichem Rückzug auf Seiten der Einheimischen führt? Welche Wege führen in die Dorfgemeinschaft? Okba hat auch nach ersten Rückschlägen nicht aufgegeben und mit seiner offenen Art und unermüdlichen Kontaktversuchen letztendlich seinen Weg gefunden. Er engagierte sich in der Gemeinde, auf Dorffesten, übernahm Besuchsdienste im Seniorenheim und hat es im Laufe der Zeit geschafft, ein wichtiger Teil der Dorfgemeinschaft zu werden. Während wir Okba’s Flucht- und Integrationsgeschichte hören, bekommen wir einen kleinen Einblick, was Menschen mit Fluchterfahrung erleben, auf welche Vorurteile sie beim Ankommen in Deutschland stoßen und was sie sich von unserer Gesellschaft wünschen. Gleichzeitig kommen wir unwillkürlich unseren eigenen – zum Teil vorurteilsbehafteten - Vorstellungen und Ängsten auf die Spur. Auf besonderes Interesse stießen seine Erfahrungen in Bezug auf die länderspezifischen Kommunikationsgewohnheiten und den unterschiedlichen Umgang mit der Dimension ‚Zeit‘. Das Wissen um kulturelle Besonderheiten schafft mehr Verständnis und Sicherheit im Umgang mit interkulturellen Kontakten in den sozialpädagogischen Einrichtungen. Gegen Ende des Seminartages erwartet uns noch ein besonderes Highlight. Wir haben die Möglichkeit, uns per Livechat mit Okba’s Schwester zu unterhalten, die noch in Syrien wohnt. Sie ermöglicht uns per Videoübertragung einen Blick auf ihre Heimatstadt zu werfen und beantwortet unsere Fragen zur aktuellen Lage in Salamiyah (Syrien). Es wird auch hier nochmal deutlich, unter welch schwierigen Umständen sich das Leben in Syrien gestaltet. Auf die Frage, ob auch sie vorhat, nach Deutschland zu fliehen, hören wir ein deutliches ‚Nein!‘. Als Lehrerin sieht sie eine besondere Verantwortung und möchte ihre Schulkinder durch diese schwierige Zeit begleiten. Für diese große Herausforderung wünschen wir ihr alles Gute und viel Kraft. Und dir, Okba, herzlichen Dank, dass du uns auf deine Reise mitgenommen hast und uns mit deiner Fluchtgeschichte einen Einblick gegeben hast, wie Inklusion gelingen kann. (Dr. Ulrike Roppelt)
