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„Männer und Frauen sind das nackte Grauen…“

Gender 5
Datum:
Veröffentlicht: 10.11.12
Von:
Horst Engelhardt

Über kleine Unterschiede und große Auswirkungen – ein Workshop im Rahmen der Schwerpunktwoche Pädagogische Konzepte

Wenn man dem Liedtext der bekannten deutschen Rockgruppe „Die Ärzte“ Glauben schenken mag, passen Männer und Frauen nicht zusammen. So einfach ist es nicht und auch die Ärzte verstehen die verwendeten Klischees sicher ironisch und provozierend, wie zahllose andere sogenannte Ratgeber , die zu erklären versuchen, was Mann und Frau unterscheidet bzw. was ein „richtiger Mann“ und was eine „richtige Frau“ ist. Ein interessantes Thema – auch und besonders für die Pädagogik von Erziehern und Erzieherinnen in den unterschiedlichen Einrichtungen.

Von Genderpädagogik ist die Rede, wenn Mädchen und Jungen, Frauen und Männer mit und in ihren sozialen Geschlechtsrollen und deren gesellschaftlichen Bedingungen wahrgenommen werden und sich pädagogisches Handeln darauf bezieht. Dabei geht es nicht nur um eine isolierte Diskussion „über“ Geschlechterrollen, sondern -verstanden als Querschnittsaufgabe- um alle Themen der psychosozialen und sozialpädagogischen Arbeit unter der Geschlechterperspektive.

In der Schwerpunktwoche unter dem Titel „Kleiner Unterschied – große Auswirkungen“ entwickelt eine Gruppe von Studierenden der ersten Kurse, Männer und Frauen, ein Bildungskonzept, das Respekt für die Vielfalt mit dem Nichtakzeptieren von Ungerechtigkeit (nicht nur bezogen auf Geschlechterrollen) verbindet. Themenschwerunkte sind u.a. die Beschäftigung mit Konzepten von Genderpädagogik; die Analyse von Geschlechterinszenierungen im Alltag, insbesondere in Medien, Homophobie und Homosexualität, Interkulturalität, Vielfalt und Diskriminierung im Erleben von Kindern.

Das geschieht anhand von theoretischen Inputs, praktischen Übungen, Spiel- und Dokumentationsfilmen, Texten, Musik und Exkursionen: Im Dom stellen uns vier „Domfrauen“ unter Leitung von Angelika Ernst-Zwosta, Referentin für Frauenpastoral, ihre Orte und (Frauen-)Sichtweisen vor. Wir sind beeindruckt davon, wie die Frauen Kunst und Kultur mit ihrer eigener Lebensgeschichte verbinden und davon erzählen. Ein zweites Projekt führt uns in das Jugendamt der Erzdiözese Bamberg. Astrid Franssen, Referentin des katholischen Jugendverbandes KJG, zeigt kreative Methoden aus der Jugendarbeit, die uns ins Gespräch bringen über Unterschiede, Gemeinsamkeiten und die Vielfalt menschlichen Lebens.

Nicht selten ertappen wir uns während der Woche bei Stereotypen und Vorurteilen, die den Blick verstellen auf das Besondere, was „Andere“ mitbringen und was sie ausmacht. Wir geraten in engagierte Diskussionen und entwickeln konkrete Überlegungen wie es gelingen kann, die Mitwelt, sich und andere als Mann und Frau, als Junge und Mädchen differenzierter wahrzunehmen, entsprechend Alternativen zum bisherigen (Erzieher/-innen) Verhalten einzuüben und eventuell Veränderungen vorzunehmen.

Auch der Lied Text von „den Ärzten“ erfährt so eine Erweiterung: Das Leben von Männern und Frauen ist in seiner Vielfalt eine Bereicherung!

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