Wie kann ich die sozial-emotionalen Kompetenzen von kleinen Kindern stärken und damit einer möglichen Sucht- und Gewaltentwicklung im Jugendalter vorbeugen? Dem hat sich das Kindergartenprogramm „Papilio“ verschrieben, das in der Caritas- Fachakademie für Sozialpädagogik in Bamberg vorgestellt wurde.
Für die stellvertretende Schulleiterin der Fachakademie, Dr. Ulrike Roppelt, ist es an der Zeit, das Programm auch in die Erzieher/-innenausbildung zu implementieren. „Wir vermitteln unseren Studierenden schon seit vielen Jahren die theoretischen Grundlagen, auf denen das Programm basiert“, sagt Roppelt. Rund 300 Kinder aus Kindertagesstätten in Bamberg, Erlangen, Lisberg und Eggolsheim wurden bei drei Aufführungen der Augsburger Puppenkiste mit den Protagonisten der Geschichte „Paula und die Kistenkobolde“ bekannt gemacht. Das Mädchen Paula trifft auf vier Kobolde, Heulibold Zornibold, Bibberbold und Freudibold. Sie personifizieren ganz grundlegende Gefühle wie Traurigkeit, Ärger, Angst und Freude. Von Paula lernen sie, dass sie zu ihren Gefühlen stehen können.
Das Programm „Papilio“ will Kindern helfen, mit den eigenen und den Gefühlen anderer umzugehen. Weitere „Papilio“-Bausteine unterstützen das Einhalten sozialer Regeln und das soziale Miteinander. Bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die erste Aufführung hob die Vorsitzende des Sozialunternehmens „Papilio“, Heidrun Mayer, die Bedeutung des Programms für den Kindergartenalltag heraus. „Wenn wir die sozial-emotionalen Kompetenzen der Drei- bis Siebenjährigen fördern, dann beugen wir den Risikofaktoren Aggression und Rückzug vor und reduzieren erste Verhaltensauffälligkeiten“, beschrieb sie die Vorteile frühzeitiger Prävention. Die Wirksamkeit des Programms sei wissenschaftlich belegt. „Mit Gefühlen umgehen zu lernen, ist ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem positiven Selbstwertgefühl. So wird ein Grundstein für die gesunde Entwicklung der Kinder gelegt“, erklärte Mayer.
Die Schlüsselrolle bei der Einführung des Programms haben die pädagogischen Fachkräfte. Sie durchlaufen eine Fortbildung, führen das Programm dann im Kindergarten ein und machen es zum alltäglichen Bestandteil der Kindergartenarbeit. Am wissenschaftlichen Fundament des Programms haben Universitäten mitgearbeitet. Um die praktische Umsetzbarkeit zu sichern, waren beim Entstehungsprozess auch Erzieher, Pädagogen, Psychologen, Eltern und Kinder eingebunden.
Der an der Caritas-Fachakademie ausgebildete Erzieher/-innennachwuchs soll bald die Möglichkeit haben, während der Ausbildung eine Qualifikation für dieses Programm zu erhalten. Für Dr. Ulrike Roppelt ist wichtig, dass „Papilio“ auf drei Ebenen ansetzt: bei Kindern, pädagogischen Fachkräften und Eltern, und dass Theorie und Praxis miteinander verbunden sind. Auch mit dem Lehrplan lasse es sich gut verknüpfen. In Bayern wurden seit 2003 mehr als 800 pädagogische Fachkräfte aus 160 Kitas in „Papilio“ fortgebildet. In Oberfranken gibt es im Raum Coburg acht Kitas, die das Programm bereits umsetzen. Erzieherinnen in 12 Bundesländern kennen „Papilio“. Seit 2009 fördert die Barmer GEK die Umsetzung in Bayern. Präventionstage mit den Puppenspielern der Augsburger Puppenkiste werden durch Sternstunden, die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, finanziert.
Verantwortlich für das Präventionsprogramm, die Fortbildung und die wissenschaftliche Basisarbeit ist das Sozialunternehmen „Papilio“ in Augsburg, das mit Partnern in ganz Deutschland zusammenarbeitet. Weitere Informationen unter www.papilio.de