Molche, Mäuse, Myzele und Mycorhiza

Intensive Berufspraktikumsseminartage im Walderlebniszentrum Schernfeld
Pestalozzis Konzept „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ ist der Grundbaustein der Waldpädagogik. Ein für unsere Schule schon lange besonders wertvoller Ort, den Wald nach diesem Ansatz zu erleben und zu verstehen, ist das Walderlebniszentrum in Schernfeld bei Eichstätt. Zwei intensive Tage konnte eine Gruppe von Studierenden im Rahmen der Seminartage im Berufspraktikum im Walderlebniszentrum Schernfeld verbringen. Die Studierenden lebten in diesen Tagen mitten im Wald und erlebten dabei im direkten Kontakt die Schönheit der Natur mit allen Sinnen. Sie erfuhren das Bewahrenswerte in der direkten Auseinandersetzung und entwickeln auch in der Kürze der Zeit einen besonderen Bezug dazu. Dies geschah durch spielerische Umsetzung waldpädagogischer Elemente, eine besondere Waldbegehung und erlebnispädagogische Erfahrungen.
Mit dem staatlich zertifizierten Waldpädagogen und Forstwirtschaftsmeister Andreas Böhm und der Forstwirtschaftsstudentin Julia machte sich die Gruppe für mehrere Stunden auf den Weg durch den Schernfelder Forst. Die Berufspratkikant/-innen ließen beim Gehen die Vielfalt des Waldes auf sich wirken. Sie hielten immer wieder kurz an, um sich Pflanzen, Bäume, Tiere und ökologische Zusammenhänge erklären zu lassen oder machten an vielen Orten länger Station, um umfassendes Wissen aufzunehmen, Auswirkungen auf die Natur zu verstehen, Inhalte zu diskutieren oder Zusammenhänge durch waldpädagogische Spiele mit der Gruppe zu begreifen. Waldpädagogik auf diese Weise umgesetzt, vermittelt Werte wie Respekt vor Mensch, Natur und Umwelt. Der verantwortungsbewusste und nachhaltige Umgang mit den natürlichen Ressourcen gehört zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und ist ein elementares Ziel der Waldpädagogik. Das Bewusstsein für die Verantwortung für unsere Umwelt wurde bei den Studierenden vertieft und sie wurden darin bestärkt, ihr Wissen, ihre Erfahrungen in der Praxis weiter zu geben. In einem Waldökosystem laufen so viele Lebensvorgänge gleichzeitig ab, dass es schwer ist, sie zu durchschauen. Doch Vieles wurde den Studierenden klar im unmittelbaren Erleben. Der Schernfelder Forst bietet eine unglaubliche Pflanzen- und Baumartenvielfalt. Wie empfindlich das Gleichgewicht im Wald ist, wurde aber auch durch Krankheitssymptome sichtbar. Ursachen von Waldschäden, wie Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere Auswirkung der großen Trockenheit wurden den Studierenden bewusst.
Sehr vielfältig und interessant gelang der Forstwirtschaftsstudentin Julia die Vermittlung der Bedeutung der Existenz von Pilzen. Das Ökosystem Wald kann nie ohne Zersetzer auskommen, die das tote Material zu Humus aufarbeiten. Bäume nutzen die Pilze in einer Partnerschaft. Deren Myzele durchziehen den Boden, als es Bäume und Wurzeln könnten, und sammeln deshalb mehr Stickstoffverbindungen ein. Pilze vermitteln den Bäumen über eine Wurzelgemeinschaft, die Mycorhiza, den notwendigen Stickstoff. Die Bäume wiederum liefern den Pilzen, die keine Photosynthese betreiben können Zucker und Eiweißbausteine. Die wichtigste Funktion von Pilzen ist die Rückführung von Mineralien in den Stoffkreislauf. Zentrale Erfahrungen konnten zudem beim eigenen Anleiten von waldpädagogischen Übungen durch Teilnehmer/-innen der Gruppe gemacht werden. Besondere Erlebnisse und Grenzerfahrungen ermöglichten die erlebnispädagogischen Stationen am zweiten Tag, das Übernachten mit Mäusefamilien in den Hütten, die Molche in den Tümpeln oder das nicht einschlafen können wegen des beeindruckenden Sternenhimmels.
Eine wesentliche Erkenntnis am Ende der intensiven Tage war für die Teilnehmer/-innen, dass Erzieher/-innen in der Waldpädagogik nicht nur auf der pädagogischen Ebene kompetent sein müssen, sondern auch im Bereich der Ökologie. Sie müssen um die Bedeutung des Waldes, der Pflanzen wissen. Das bedeutet nicht, dass Erzieher/-innen Biologie studiert haben sollten. Entscheidend sind Neugier, Offenheit und Wissbegierde, die den Dingen entgegengebracht werden. Die Aufgabe von Erzieher/-innen ist es, die Wertschätzung der Natur zu erhalten und ein Verantwortungsgefühl gegenüber der Natur und zukünftigen Generationen weiterzugeben. Diese Voraussetzungen wurden im Walderlebniszentrum Schernfeld auf jeden Fall bestärkt, sind dort gewachsen. Eine Teilnehmerin drückt dies in der Abschlussreflexion mit den Worten aus: „Meine wichtigste Erfahrung ist, dass ich diesen Ort hier kennenlernen durfte und weiß, dass ich hier auch mit Kindern herkommen kann!“ Vielen Dank an die verantwortlichen des Walderlebniszentrums, auch an den Leiter Andreas Müller, für die Möglichkeit dieser Erfahrungen.