OptiPrax gewinnt neue Interessenten für Erzieherberuf

Familienministerin Kerstin Schreyer besuchte die Caritas-Fachakademie in Bamberg
In fast 400 Einrichtungen in der Erzdiözese Bamberg kümmert sich die Caritas um Kinder und Jugendliche, der größte Teil davon sind Kindertagesstätten. „Qualifizierter Nachwuchs ist daher für uns äußerst wichtig“, erklärte Caritas-Diözesandirektor Helmar Fexer. Adressantinnen seiner Begrüßung waren die bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer sowie die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, die am 28. Februar die Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik in Bamberg besuchten und sich insbesondere über das Modell OptiPrax informierten.
Die „Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen“ (OptiPrax) ist ein Modellversuch, der seit dem Schuljahr 2016/17 dort läuft. Die Praxis ist dabei in die theoretische Ausbildung integriert, Unterricht in der Akademie und Arbeit in der Einrichtung finden abwechselnd statt. Die Ausbildung dauert drei anstatt fünf Jahre wie auf dem klassischen Weg. Im Modellversuch soll herausgefunden werden, ob eine solche kürzere und stärker praxisorientierte Ausbildung den Erzieherberuf attraktiver machen und außerdem neue Bewerbergruppen, insbesondere Männer, Fach-Abiturienten/-innen oder Quereinsteiger/-innen ansprechen kann. Dass die Teilnehmer einen Ausbildungsvertrag mit der sozialpädagogischen Einrichtung abschließen und eine Ausbildungsvergütung erhalten, gehört ebenfalls zum Modell.
„OptiPrax fand schnell Anklang, wir konnten tatsächlich neue Bewerberkreise erreichen. Nicht nur bei uns, sondern bayernweit zeigt sich etwa ein höherer Männeranteil“, so Jürgen Melber, Leiter der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik. 70 OptiPrax-Studierende in drei Kursen gebe es aktuell an der Akademie, die Nachfrage sei weiter sehr hoch. Marcus Bauer, Fachbetreuter für OptiPrax, sah ebenfalls viele Vorteile – besonders der direkte Einstieg in die Praxis. Das Modell erfordere demgegenüber aber eine intensivere Unterstützung der Auszubildenden, die Zusammenarbeit mit den Trägern müsse noch intensiver forciert werden, gab er als Feedback an die beiden Politikerinnen Schreyer und Zeulner weiter. Solches hatte auch Hildegard Thoma, Fachreferentin für Kinderbetreuung beim Caritasverband der Erzdiözese: „Ausbildung braucht Qualität und Zeit, letztere haben pädagogische Fachkräfte in den Einrichtungen für die Auszubildenden zu wenig.“ Sie schlug eine Erhöhung des Anstellungsschlüssels vor – die zusätzliche Zeit müsse in die Betreuung der Auszubildenden fließen.
Staatsministerin Kerstin Schreyer, selbst Sozialpädagogin und ehemalige Leiterin einer Caritas-Tagesstätte für psychische Gesundheit, verwies auf die führende Rolle Bayerns bei der Ausbildung. Ein Modell wie OptiPrax solle keineswegs dazu beitragen, das Niveau zu senken, sondern ziele noch mehr darauf ab, qualifizierte und insbesondere auch geeignete Menschen für soziale Berufe zu finden. Noch befinde sich OptiPrax in der Testphase, es gelte die Rückmeldungen auszuwerten und an möglichen Stellschrauben zu drehen. Von der klassischen fünfjährigen Ausbildung wolle sich niemand verabschieden, gerade für Quereinsteiger sei es gut, wenn mehrere Wege zum Ziel führen können. Der Verdienst war ihr auch ein Anliegen: „Am Ende des Tages müssen wir auch über die Gehälter reden“, meinte Schreyer abschließend.
Die beiden Studierenden Lisa Jakisch und Peter Lebender berichteten über die Erfahrungen mit der OptiPrax-Ausbildung. „Wir haben beide vorher studiert und sehen die drei Jahre natürlich als großen Vorteil“, so Jakisch. Es sei auch zu berücksichtigen, dass sich aufgrund des Alters viele OptiPrax-Studierende schon auf einem anderen Stand befänden als Absolventinnen und Absolventen der klassischen Ausbildung. Das dürfe aber keinesfalls dazu führen, dass diesen nicht der gleiche Respekt entgegengebracht würde.
