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Seminartag mit Franz Kett und internationalem Flair

BPKett15
Datum:
Veröffentlicht: 20.12.15
Von:
Horst Engelhardt
Franz Kett blickt den Fragesteller einen Augenblick verwundert an. Warum er immer wieder (und immer noch) die Reisestrapazen auf sich nimmt, um „seine“ Religionspädagogik bei Fortbildungsveranstaltungen im gesamten deutschsprachigen Raum zu vermitteln? „Na, weil ich an der Begegnung mit Menschen interessiert bin. Und überzeugt davon, dass Religion und Glaube helfen können, unsere Beziehungen zu gestalten.“

Das ist keine leere Behauptung. Wer Franz Kett erlebt, wie er menschliche Lebensthemen meditiert und verstehbar macht, sie im wahrsten Sinne des Wortes „ins Bild“ setzt, dem wird ein neuer Zugang zu längst verloren geglaubten Gewissheiten ermöglicht. Denn er wird angestiftet, sich einzulassen auf eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte als Horizonterweiterung. Ketts methodisches Repertoire ist wohlsortiert: Besinnung, Tanz, Spiel und gestalterischer Ausdruck. Und mit einem Mal ist das Attribut „ganzheitlich“ mehr als nur ein Wort.

Dem 82-jährigen eilt sein Ruf voraus, man konnte die gespannte Erwartung der Berufspraktikantinnen, die im Rahmen des  Religionspädagogischen Zertifikats an dem Seminartag teilnahmen, förmlich spüren. Unter ihnen übrigens auch Gäste aus Finnland. Die vier Theologinnen und Religionspädagogen - in ihrer Heimat immerhin verantwortlich für die religionspädagogische Konzeption in Kindertagesstätten und die Gestaltung des Religionsunterrichts an Schulen - waren extra angereist, um Franz Kett und seinen Ansatz, den sie bereits aus Bücher kannten, in einem Seminar „live“ zu erleben.

Nach einem Begrüßungsritual stand am Vormittag die Geschichte und Bedeutung des heiligen Nikolaus im Mittelpunkt. Die Vorschulkinder des benachbarten Kindergartens St. Elisabeth waren gekommen und Franz Kett  ver-sinn-bild-lichte mit den Jungen und Mädchen die Geschichte von Nikolaus und Avarizzo. Ein Bilderbuch mit einer ungewöhnlichen Nikolausgeschichte von der Verwandlung eines lebendigen Herzen in ein steinernes. Nikolaus gelingt es, das steinerne Herz in ein liebendes zurück zu verwandeln Die Quintessenz: Für sich selber sorgen ist wichtig, aber noch mehr das Miteinander, das Füreinander da sein. Kett unterstreicht immer wieder, dass das nur in einer guten Atmosphäre, dem „Dazwischen“, gelingen kann. Mit einem individuellem Wunsch und einem symbolischen Geschenk - einem kleinen Herz aus Filz - wurden die Kinder verabschiedet. Am Nachmittag stand dann die Weihnachtsgeschichte im Mittelpunkt. Die Herzensbotschaft durch den Engel, der Weg zur Krippe und die Geburt Jesu bildeten die Grundlage für die Frage nach einer passenden Einstimmung auf das bevorstehende Fest. Die Teilnehmerinnen wurden motiviert, das ein oder andere in den Tagen vor Weihnachten an ihren Praktikumsstellen selbst anzuwenden.

Reinhold Boschki, Professor  für Religionspädagogik an der Universität Bonn, hat Franz Kett einmal als einen „unnachahmlichen, bewegenden Lehrer und Meister einer ganzheitlich-sinnorientierten Lebensweise“ bezeichnet, „die verlockt zu gestalten, Altes neu zu suchen, einfach loszugehen und sich der gegebenen Welt anzuvertrauen  - wissend, wie schwer das oft ist“. Gerade für pädagogische Berufe ist das von unschätzbarem Wert, denn rollenbedingt ist man häufig versucht, dort schnell eine Antwort zu geben, wo Platz notwendig wäre für das Suchen und Fragen - vor allem von Kindern. Wenn wir Erwachsenen uns jedoch nicht mehr nur als Antwortgeber sehen, sondern uns mit den Kindern gemeinsam auf ihre Such- und Frageprozesse  einlassen, können wir selbst unser Leben aus neuen Blickwinkeln betrachten und ungeahnte Wege entdecken, für uns und mit anderen.
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