Together in difference! - Beginn einer Schulkooperation

In der Woche nach den Weihnachtsferien besuchte uns eine sechsköpfige Delegation der Jane-Addams-Schule (Berlin). Auch sie bildet ErzieherInnen aus und doch könnten die Rahmenbedingungen der zwei Lernorte in Franken und Preußen kaum unterschiedlicher sein: Hauptstadt Berlin (3,5 Mio Einwohner) und das ‚kleine‘ Weltkulturerbe Bamberg, in dem etwa 70 000 Menschen wohnen. Das Jane-Addams-Oberstufenzentrum ist die drittgrößte Schule Berlins mit 1300 Studierenden und 160 Lehrkräften - im Gegensatz zur Bamberger Fachakademie, an der gerade mal 340 angehende ErzieherInnen von einem ‚überschaubaren‘ Kollegium (23 Personen) ausgebildet werden. Während wir pro Jahrgang zwei Klassen unterrichten, gibt es in Berlin bis zu 19 Parallelklassen. Und obwohl beide Schulen inhaltlich an einen bundeseinheitlichen Lehrplan gebunden sind, gibt es doch große Unterschiede in der Organisation des Unterrichts. Der Stundenplan unserer bayerischen Fachakademie weist nach wie vor Fächer aus, während in Berlin nach Lernfeldern unterrichtet wird.
Was passiert, wenn VertreterInnen von zwei dermaßen unterschiedlichen Schulsystemen in den fachlichen Austausch treten? Macht das überhaupt Sinn? Bei dieser letzten Frage waren sich die stellvertretenden Schulleitungen Axel Lüttich und Dr. Ulrike Roppelt völlig einig: ‚Ein fachlicher Austausch wird sehr spannend und gegenseitig inspirierend werden!‘ Während der Europass-Verleihung in Berlin sowie bei Fortbildungsreisen hatten sich die beiden bereits öfters über die Besonderheiten ihrer Schulen ausgetauscht. Schnell war ihnen klar, dass es sehr bereichernd sein kann, die Türen ihrer Schulen auch für einen wechselseitigen Austausch von Studierenden und weiteren Lehrkräften zu öffnen.
Um die ‚länderübergreifende‘ Zusammenarbeit zwischen den beiden beruflichen Lernorten nachhaltig zu gestalten, wurde am 10. Januar 2018 durch die Schulleiter Jürgen Melber und Fred Michelau ein Kooperationsvertrag unterschrieben. Viele Ideen sind darin formuliert: auf Ebene der Lehrkräfte steht vor allem der fachliche Austausch im Fokus. Der Vertrag beinhaltet zudem die ‚amtliche‘ Zusage für die jährlich ca. 20 Stipendien, die unsere Studierenden seit 2010 von der Jane-Addams-Schule beziehen. Weiterhin soll den Studierenden aus Berlin und Bamberg eine wechselseitige Teilnahme am Unterricht der Partnerschule ermöglicht werden; eine Idee, die bei den Studierenden der 1. Kurse sofort auf fruchtbaren Boden gefallen ist und in null-komma-nix zu ersten euphorischen Reiseplänen führte. (‚Yippie! Wir fahren nach Berlin!‘)
Die beiden Besuchstage waren dicht gefüllt mit einem Programm, das die Besucher zwischen den fränkisch-kulinarischen Höhepunkten der Stadt Bamberg und dem Schulalltag der Fachakademie pendeln ließ. Die vielfältigen Begegnungen mit den Studierenden wurden von der Berliner Delegation als sehr offen, freundlich und kompetent erlebt. ‚Hier herrscht eine wunderbare Lernatmosphäre‘, so Schulleiter Michelau‚ die auch auf ein hoch engagiertes Kollegium schließen lässt‘.
Während sich anfänglich strukturelle ‚Welten‘ zwischen den Lernorten abzeichneten, war mit jeder Stunde des Beisammenseins eine erstaunliche Annäherung zu beobachten. ‚Soweit liegen wir gar nicht auseinander, was das Engagement der Lehrkräfte und den Blick auf die Auszubildenden betrifft‘, war das abschließende Fazit der fränkisch-preußischen Arbeitsgruppe. Mehr und mehr rückte das Wesentliche in den Vordergrund: dass Ausbildung als wertorientierte Persönlichkeitsbildung gesehen wird und der Mensch dabei als Ganzes im Mittelpunkt stehen muss. Und dass wir unsere Schulen in Berlin und Bamberg als Häuser des Lernens, Lehrens und Lebens verstehen.
‚Wir kommen wieder!‘ hörten Herr Melber und Frau Dr. Roppelt noch die Berliner aus dem Taxi rufen. Und wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch in Berlin! - Unsere Studierenden sicher auch!

