Und es geht doch! - Vier Wochen digitale Beschulung an der Caritas-FAKS

Pädagogik, Religion, Deutsch und Kunst - der Stundenplan der Caritas-Fachakademie sieht an einem Dienstag im April aus wie immer. Mit einem kleinen Unterschied:
die FAKS ist wegen der Corona-Pandemie seit Wochen geschlossen.
Noch im Herbst hatten wir Kollegen beim pädagogischen Tag unser Medienkonzept neu entwickelt, die schul.cloud eingeführt und uns gegenseitig Impulse zum digitalen Beschulen gegeben. Damals noch in einer Stimmung zwischen Stirnrunzeln und Begeisterung, zwischen Medienmüdigkeit und Aufbruch. Technik kann auch mühsam sein und funktioniert nicht immer reibungslos. Drei Monate später werden wir alle vor eine riesige Herausforderung gestellt. Binnen kurzer Zeit wird am 16. März der Lockdown in Deutschland verfügt, alle Schulen werden geschlossen – auch die FAKS.
Und Kollegium und Auszubildende stellen sich die Frage: kann Schule, kann Ausbildung, kann Schüler-Lehrer-Kontakt über Wochen online funktionieren? – Nach sechs Wochen wissen wir: Ja, das geht!
In einem 10-stündigen gemeinsamen Besprechungs-Marathon und in vielen kleinen Arbeitsgruppen haben wir innerhalb kürzester Zeit kreative und unkonventionelle Lösungen zur digitalen Beschulung erarbeitet. - Nun bewährt es sich, dass wir im Herbst unser Medienkonzept konzipiert hatten, auf das wir jetzt zurückgreifen können. Und nur eine Woche nach Schulschließung sind die knapp 400 Studierenden der FAKS in unser virtuelles Schulhaus umgezogen. Channels wurden für jede Klasse und jedes Fach eingerichtet.
Seitdem sitzen alle zu Hause in ihren Zimmern, allein vorm Rechner. Montag um 8.15 Uhr geht’s los. Nach Stundenplan werden Arbeitsaufträge hochgeladen und bearbeitet, in Klassenchats wird über Themen diskutiert, die Studierenden sprechen Englisch im Videochat und lösen Handlungssituationen, schauen thematische Videoclips und sind ab und an live mit den Lehrkräften verbunden. Per Video werden Sportübungen angeleitet. Die Lehrkräfte besprechen sich in Videokonferenzen, erstellen Umfragen zur digitalen Beschulung und entwickeln Lösungen für einen reibungslosen Ablauf. Statt Sprechstunden gibt es nun ein Sorgentelefon, ein Channel für Klassenstunden wird eingerichtet. Die Fastenimpulse in der Osterzeit werden von den Studierenden in die schul.cloud gestellt und unser interaktiver Ostergottesdienst stößt auf sehr große Zustimmung. Die Teilnehmenden spüren trotz physischer Distanz eine große Verbundenheit mit der Schulgemeinschaft.
Die digitale FAKS ist zum Leben erwacht, die neue Art zu Lernen ist lebendig und abwechslungsreich. ‚Natürlich fehlt auch der persönliche Kontakt‘, so das Fazit nach sechs Wochen, aber eines ist jetzt schon klar: Die Corona-Krise hat in kurzer Zeit geschafft, was zuvor nur mühsam in kleinsten Schrittchen möglich schien. Das gesamte Kollegium hat sich in Windeseile zu Medienexperten entwickelt, es wird über Details gefachsimpelt, die vor ein paar Wochen nur verständnisloses Kopfschütteln ausgelöst hätten. Alle Beteiligten haben die Scheu vor dem Medium verloren. Und die Studierenden schätzen das digitale Angebot, übernehmen große Verantwortung für ihr Lernen, sind zuverlässig, hochkonzentriert und motiviert im digitalen Unterricht dabei, nehmen die Aufträge und Angebote sehr ernst. Das verdient unsere große uneingeschränkte Anerkennung!
Viele der angehenden Erzieher*innen erleben die Art des selbstverantwortlichen und erwachsenenorientierten Lernens sogar als große Chance. Die Schulschließung und das Kontaktverbot haben auch zu einer großen Verbundenheit geführt. ‚Wir müssen doch gerade jetzt zusammenhalten‘, so eine Studierende bei der Suche nach Lösungen zur gerechten Notenbildung.
Am 27. April öffnete sich die Faks nach sechs Wochen im neuen Modus wieder für die Prüfungsjahrgänge. Es kommt endlich wieder Leben ins Schulhaus! - Es wird spannend bleiben und schon jetzt ist klar: Es gibt kein Zurück mehr in rein analoges Beschulen. Wir werden viele Medienkompetenzen mitnehmen, weiterhin kreative Lösungen suchen und haben bereits einen Ideen-Pool für selbstorganisiertes Lernen angelegt.
Bei aller neu entdeckten Liebe für das digitale Lernen zuhause: Die Freude auf das Wiedersehen ist groß!
(Dr. Ulrike Roppelt)


