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Vier Tage Vollpension im „4 - Bäume Waldhotel Schernfeld“

Waldpäd Titel
Datum:
Veröffentlicht: 30.6.09
Von:
Martina Schnepf

Waldpädagogikseminartage im Walderlebniszentrum Schernfeld im Berufspraktikum

Drei Tage, die den Teilnehmer/innen Lust machten, selbst mit einer Gruppe das Walderlebniszentrum zu besuchen und den Inhalt Wald und draußen in der Natur sein mehr in das eigene Leben und die berufliche Praxis einzubinden.

Wald erleben - das ist das Motto unter dem die Bayerische Forstverwaltung das Walderlebniszentrum Schernfeld 1997 als eines der ersten Walderlebniszentren in Bayern ins Leben gerufen hat. Als Gebiet hierfür wurde ein riesiges Waldgebiet voller Artenvielfalt im Landkreis Eichstätt im oberbayerischen Jura (Naturpark Altmühltal) ausgewählt.

Ziel dieser waldpädagogischen Schwerpunkteinrichtung ist es, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Region und in den schwäbischen und mittelfränkischen Nachbarlandkreisen auf die Bedeutung des Ökosystems Wald aufmerksam zu machen und pädagogische, heilpädagogische Einrichtungen und Schulen im Unterricht über den Wald und der Erfahrung des Lebensraumes Waldes zu unterstützen. Eine große Bereicherung für die Ausbildung im Berufspraktikum stellt die Möglichkeit dar, dass auch wir als Caritas Fachakademie Bamberg das Walderlebniszentrum Schernfeld seit fünf Jahren zur Vermittlung und Vertiefung waldpädagogischer Inhalte besuchen dürfen.

Auf drei Parcours (Abenteuerparcours, Schulparcours und Sinneswanderung) lernen die Besucher den Wald mit seinen Funktionen und seiner Bewirtschaftung kennen. Dabei erreicht das Walderlebniszentrum mit seinen Programmen jährlich über 10.000 Menschen. Bei dieser Angebotsbereite ist es besonders zu schätzen, dass der Leiter des Walderlebniszentrums Dieter Kriebel und seine Mitarbeiter sich in diesem Jahr wieder drei Tage Zeit genommen haben, unsere Seminartage mitzugestalten, Interesse zu wecken, inhaltlich fundiertes Wissen und Erfahrungen weiterzugeben, den ganzen Übernachtungsplatz und das Schönwieselhaus (grünes Klassenzimmer) zur Verfügung zu stellen und die erlebnispädagogischen Elemente im Wald nutzen zu lassen.

Die ersten Eindrücke der Teilnehmer/innen ließen auch dieses Jahr darauf hoffen, dass die Waldpädagogikseminartage zu einem prägenden Erlebnis am Ende der Ausbildung werden können.

„Ist das ein schöner Wald, ist das ein schöner Wald…“ mit diesem Satz rannte Julian durch das Dickicht, mit den Armen platzschaffend wie im Weg durch den Dschungel, durch sattes Grün. Hinterher der Rest der Gruppe mit Frau Schnepf und Frau Roos, voraus immer wieder rufend und ein rotes Tuch schwingend „das wilde Pferd“ Sebastian, den es bei dem ersten Naturerfahrungsspiel nach Joseph Cornell einzukreisen und einzufangen galt. Dies war die einzige unlösbare Aufgabe für die Gruppe an diesen drei Tagen, die dafür aber die Teilnehmer/innen gleich zu Beginn in das Innerste des Waldes führte, in die Umgebung eintauchen ließ.

Dabei waren die äußeren Bedingungen sehr ungünstig und normalerweise für eine Gruppe völlig unmotivierend. Kräftiger Dauerregen war angesagt von früh bis zum Abend, den ganzen Tag. Ein Regen, der lehrte, dass auch die Weisheit, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung, nicht allgemeingültig ist. Die beste Ausrüstung schützte nicht davor, von Kopf bis Fuß völlig durchzuweichen und dennoch genoss die Gruppe den Wald, den Abstand von aller Außenwelt, war aufnahmebereit für das Wissen, das uns Dieter Kriebel, der Leiter des WEZ auf dem fünf Kilometer langen Pfad durch das Innerste des Forstes am ersten Tag vermittelte.

Gerade diese Bedingungen, das Einlassen auf das Wetter, das einfache Leben in der Natur: Übernachten in winzigen Hütten mit Hackschnitzeluntergrund, Kochen am Lagerfeuer, „Plumpsklo mit Hackschnitzelschaufel“ ohne Licht, kein Strom, kein Handyempfang ließ die Gruppe zusammenwachsen, die Natur schätzen lernen. Die Teilnehmer/-innen erfuhren sehr viel über Pflanzen und Tierwelt, ökologische Zusammenhänge und Besonderheiten der Region, so zum Beispiel über die Bedeutung der nahe des Lagerplatzes gelegenen historischen Wolfsfalle, in der Lanzenschildfarn wächst, der sonst nirgends mehr gesehen wird. Integriert wurden immer wieder erlebnispädagogische Elemente, das Überqueren einer vier Meter hohen Wand, über die auch der Letzte kommen muss ohne Hilfe von unten, das Schwingen und das Überqueren eines Tümpels. Wobei bei allen Aufgaben immer auch Wissen vermittelt wurde, denn bei einem Tümpel handelte es sich um ein besonderes Biotop, eine ehemalige Viehtränke, die von Menschenhand ausgegraben wurde und die heute mit seltenen Wasserlilien bewachsen ist, der Tümpel, in dem fast alle beim Versuch des darüber Schwingens landeten, war eine ehemalige Kalkgrube. Die größte Herausforderung für die Gruppe stellte die Aufgabe dar, eine 10 Meter hohe Aluleiter zu erklimmen und sich oben auf einem winzigen Podest frei aufzurichten. Die lange, schwere Leiter war frei stehend, also nicht im Boden verankert oder angelehnt und wurde über vier Teilnehmer der Gruppe nur über Seile an vier Seiten im Gleichgewicht gehalten. Ziel war es, den Mut aufzubringen, einen Versuch des Aufrichtens zu unternehmen, nicht, es zu schaffen, sondern zu erkennen, wo eigene Grenzen überschritten oder gesetzt werden sollen. Genauso wichtig war natürlich die Funktion der Sichernden und derer, die die Leiter über die Seile stabilisierten.

Obwohl das Wetter weiterhin durchwachsen war, es immer wieder regnete, oder vielleicht auch gerade deswegen, war die Gruppe mit viel Freude dabei, es blieb Platz für Gespräche, gemeinsames Spiel, flexible Tages- und Programmgestaltung.

Drei Tage, die den Teilnehmer/innen Lust machten, selbst mit einer Gruppe das Walderlebniszentrum zu besuchen und den Inhalt Wald und draußen in der Natur sein mehr in das eigene Leben und die berufliche Praxis einzubinden. Ein Dankeschön an dieser Stelle insbesondere an Herrn Kriebel für die gelungene Waldbegehung, die Möglichkeit, drei Tage dort erleben zu dürfen und Herrn Böhm für den Aufbau und die Begleitung der erlebnispädagogischen Elemente und das Beschaffen von Wasser und trockenem Holz.