Von Trommeln, Lausbuben und Gastfreundschaft - Unsere Reise in den Senegal 2020


Als wir im Senegal angekommen sind, war erst einmal vieles ganz anders als wir es kennen, vieles ungewohnt und neu. Unglaublich viele Eindrücke sind schon auf der Busfahrt vom Flughafen zum Maison du Prêtre (unserem Zuhause für die zwei Wochen) auf uns eingestürmt. Es war Nacht, aber es waren noch viele Menschen auf den Straßen unterwegs, auch Händler an Obstständen haben noch ihre Ware verkauft.
Schon da ist uns aufgefallen, dass sich das Leben hier im Senegal auf den Straßen abspielt. Es war zwar alles anders, aber man hat sich trotzdem sofort wie zu Hause gefühlt. Was nicht zuletzt daran lag, dass uns die Senegalesen mit einem Maß an Offenheit empfangen haben, auf das man in Deutschland nur sehr selten trifft. Vom ersten Augenblick an wurden wir wie Freunde behandelt, die sich schon lange kennen. Mit einem guten Mix an Deutsch, Englisch und Französisch waren auch die befürchteten Sprachbarrieren bald kein großes Problem mehr. Und im Laufe der Zeit kamen auch noch einige Wörter Wolof hinzu. Teranga – Gastfreundschaft; das wird hier im Senegal großgeschrieben.
Auch wir durften sie immer wieder erleben, ob im Maison du Prêtre, am Tag in den Gastfamilien oder bei Besuchen, wie beim Bruder des Kalifen oder der Frauenkooperative. Immer wieder wurden wir herzlich empfangen und großzügig bekocht.
Unsere ständigen Begleiter auf der Reise waren die Djemben. Ob im Bus oder abends beim Zusammensitzen - gefühlt in jeder freien Minute wurde gesungen, getrommelt und getanzt. Und auch wenn es sich bis jetzt vielleicht so anhört, die Reise in den Senegal war kein Vergnügungsurlaub. Es war auch oft ziemlich anstrengend und das Programm war eng getaktet, was aber durch die vielen tollen Erlebnisse und Erfahrungen, die uns ermöglicht wurden, wieder mehr als wett gemacht wurde.
In unserer Zeit im Senegal durften wir auch viel über das Zusammenleben von Christen und Muslimen erfahren. Wir haben sowohl Kirchen als auch Moscheen besucht und bei einem interreligiösen Dialog viel über dieses Thema erfahren. Im Senegal ist das Verhältnis der beiden Religionen sehr freundschaftlich. Die Unterschiede werden als Chance und Bereicherung angesehen. Christen laden ihre muslimischen Freunde und Nachbarn zu ihren religiösen Festen ein und auch umgekehrt die Muslime die Christen.
Ein großes Problem im Senegal, was uns immer wieder sowohl geschockt als auch frustriert hat, war der Müll, der überall herumlag. Unmengen an Plastiktüten, Verpackungen und Flaschen. Die Straßenränder, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadt, sind mit Müll übersät. Im Senegal gibt es kein Abfallsystem wie in Deutschland. Was nicht verbrannt wird, wird vom Wind davongetragen und hüllt ganze Bäume in Tüten ein. Ein Problem, für das es bis jetzt noch keine richtige Lösung gibt.
Was es im Senegal noch häufig gibt, sind Händler. Ob auf dem Markt mit Lebensmittelständen, Stoffläden oder Schuhen und Handys oder an Stränden, Kirchen oder sonstigen Plätzen mit Armbändern, Taschen, Tüchern, Körbchen und sonstigen Souvenirs. Für uns Deutsche ungewohnt, doch um den Preis verhandeln ist hier ein Muss. Wobei uns unsere senegalesischen Freunde nicht selten beraten und unterstützt haben.
Während unserer Zeit im Senegal haben wir viel gelernt. Über die Religion, die Kultur, das Leben und über uns selbst. Der Abschied fiel uns nicht leicht und wir wären wohl alle gerne noch etwas länger geblieben. Was tröstet, ist die Möglichkeit, über soziale Medien in Kontakt zu bleiben und die Hoffnung, sich eines Tages wiederzusehen.
(von Ramona Oppel, 1. Kurs)



