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Die Zedern des Libanon

Besuch aus dem Libanon 2023
Datum:
Veröffentlicht: 1.12.23
Von:
Ulrike Roppelt
Im Oktober haben wir uns sehr gefreut, einen weltkirchlichen Gast aus dem Nahen Osten an der Fachakademie begrüßen zu dürfen. Noha Roukoss ist eine erfahrene Mitarbeiterin von Caritas Beirut und hat uns im Rahmen der Übung über ihre Arbeit im Libanon berichtet.
Besuch aus dem Libanon 2023

Für den Nachmittag mit Noha wechseln wir komplett ins Englische als gemeinsame Sprache und entlasten die mitgebrachte Dolmetscherin von ihrer Simultanübersetzung. Interessant war bereits die Einstiegsfrage von Noha: ‚Was verbindet ihr mit dem Libanon?‘ Erst nach und nach haben wir uns erinnert. War da nicht ein großes Unglück am Hafen, hört man nicht immer wieder etwas von Korruption und dass das Land wirtschaftlich am Ende ist? – Noha lenkt unseren Blick jedoch zunächst auf die schönen Seiten des Landes und nennt ihre Heimat die ‚Schweiz des Nahen Ostens‘. Ein schmaler Streifen Land voller hoher Berge, im Herzen der arabisch-islamischen Welt und des östlichen Mittelmeeres. Nun entstehen weitere Bilder zum Libanon in unseren Köpfen: War nicht schon in der Bibel die Rede von den schönen Zedern des Libanon? - Der Libanon ist seit jeher bekannt für die Schönheit seiner Landschaften, die Gastfreundschaft seiner Bewohner und das - wenn auch nicht immer friedliche - Zusammenleben der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, aus denen seine Bevölkerung besteht. - Doch nun durchlebt der Libanon die schwerste Wirtschafts-, Finanz- und Währungskrise seit Bestehen des Landes. Die Explosionskatastrophe 2020 sowie die Covid-19-Pandemie führten teilweise zu einem Zusammenbruch, der nur mit internationaler Hilfe abgefedert werden konnte. Die aktuellen Ereignisse treffen ein kleines Land, das im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge aufgenommen hat wie kein anderer Staat auf der Welt. Ein Drittel der 4,4 Millionen Einwohner ist aus Krisengebieten in den Libanon geflüchtet. Eine gewaltige Herausforderung für das Land. Überträgt man die Zahlen auf Deutschland, wären das 27 Millionen Geflüchtete. - Noha Roukoss berichtet uns nun über ihre Arbeit für schutzbedürftige Geflüchtete, Opfer von Menschenhandel und für Wanderarbeiter. Als Mitarbeiterin des Schutzbereichs im Caritas-Zentrum in Beirut konzentriert die 43-Jährige ihre ganze Kraft auf das Leid dieser betroffenen Menschengruppen. ‚Ich sehe mich als Stimme derjenigen, die keine Stimme haben.‘ Noha Roukoss hat in 23 Jahren bei der Caritas Libanon schon viele traurige Geschichten gehört. Und sie verschafft sich Gehör in der Öffentlichkeit, bei Behörden und in der Politik. - Unser Blick weitet sich und wir fangen an, dieses Land und seine Menschen etwas näher kennen und schätzen zu lernen. Viele Fragen gäbe es noch im Gespräch mit ihr zu klären, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Uns bleibt am Ende, Noha Roukoss und ihrem Team unseren Respekt für das große Engagement auszusprechen. Vielen Dank, dass wir dich kennenlernen durften und du unseren Blick auf den Libanon verändert hast.

Besuch aus dem Libanon 2023
Besuch aus dem Libanon 2023
Besuch aus dem Libanon 2023